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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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# Briefing vom 28. Juli 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Dienstag, den 28. Juli. Der große TERF-Faden ist am Wochenende zu seinem Finale gekommen — und der Abgang war so theatralisch wie das ganze Auftreten davor. Daneben zeigt YouTube diesmal echtes inhaltliches Leben, und das Forum wendet sich langsam wieder den ruhigeren Fragen zu.

**Zur Grundstimmung:** Auf YouTube meldet sich Ernuwieder unter der Juni-Ausgabe mit einem scharfen Einwand zum Aufrüstungs-Kapitel — ihr würdet euch auf Mearsheimer berufen und Linke hätten "meistens ein Problem damit, zu begreifen, dass Antagonisten des Westens tatsächlich sogar noch schlimmer sein können als der Westen". Direkt an Wolfgang: "nimm mal deine neokoloniale Brille ab." Das ist der erste echte außenpolitische Widerspruch seit Tagen. Im Forum ist die große Bewegung, dass der Neusprech-Thread mit TurtleTerfs Abgang endet — nach neun durchnummerierten Joyce-Blöcken, einem Verhandlungs-Kapitel und einem Maßnahmenkatalog, der am Ende, wie Florentine trocken feststellt, "im Wesentlichen aus dem Status quo" besteht.

**Zu den Kontroversen:** Der Formstreit um TurtleTerfs Textmasse ist gestern gekippt — und zwar auf zwei Ebenen. Erstens inhaltlich: Nach ihrem Katalog konstatiert Florentine "Viel Lärm um nichts", und Syd findet sogar einen "erstaunlichen Konsens" mit dem Status quo. Zweitens im Ton: TurtleTerf verabschiedet sich mit einem Wutausbruch — sie treffe sich mit "126 TERF Freundinnen" und Florentine sei "der Grund, warum ich nachts schreiend aufwache". Florentine kontert mit "schönen Gruss an die anderen FSB Trolle auf der Farm!" Daran entzündet sich der eigentlich interessante Streit des Tages: Syd fragt ernsthaft nach, ob Florentine TERFs wirklich für "russische Einflussagenten" halte, und Florentine liefert eine ausführliche "epistemologische Destillation" — nicht jede TERF sei vom FSB bezahlt, aber das Narrativpaket sei "funktional mit einer Einflussoperation vereinbar". Syd bleibt skeptisch und schiebt seinen alten Verdacht nach, die Russland-Beeinflussung der US-Wahlen sei "eine Lachnummer" — worauf Florentine mit den dokumentierten RT-Geldflüssen und der Doppelgänger-Operation kontert. Ernst ordnet nüchtern ein: Der Podcast sei "keine Verstärker-Station der LGBTQ+ Community", also die falsche Anlaufstelle für Destabilisierung.

**Zu den positiven Highlights:** Der schönste Beitrag der Woche ist Kokosmilchs Parodie: Er spiegelt TurtleTerfs ganze Argumentationsstruktur auf das Thema Händigkeit — "Neusprech, Doppeldenk und die Große linke Hand" —, mit "Sinistrophilie", "Manuell-Faschisten" und dem trockenen Fazit, wie man "eine schlichte Ausprägung menschlicher Vielfalt rhetorisch zu einer Bedrohung aufblasen kann." Ebenso stark ist Ernsts Drei-Ebenen-Test, den er tatsächlich zu Ende gebaut und mit KI durchlaufen lassen hat — inklusive der ehrlichen Selbstauskunft "Ich wurde auch ertappt" und der Pointe, dass Plattkofels Korrektur eines eigenen Mitstreiters "das stärkste Sachlichkeitssignal im ganzen Verlauf" sei. Und im SWR-Thread wird der Leihmutter-Strang klug weitergedreht: JakobB legt frei, dass hier kein Phantom-, sondern "tatsächlicher Besitz" verhandelt werde, und Kompost sucht bewusst "nach Reibung" — seine Verteidigung des Sexarbeitsbegriffs als "Reaktion auf die Stigmatisierung" ist der differenzierteste Moment des Tages. Miki erdet die Debatte um Colliens "digitale Vergewaltigung" ganz ohne Theorie: Sie habe das "nicht im Zusammenhang einer Jura Prüfung formuliert", sondern "wie sie es empfunden hat".

**Zum Kampagnen-Radar:** TurtleTerf ist und bleibt der auffälligste Einzelakteur — bis zuletzt ein Ein-Personen-Sturm: allein am 27. Juli über ein Dutzend Posts im Neusprech-Thread, von den nummerierten Essay-Blöcken über die Psychopathologisierung ("Es gibt keine gesunde Transidentität") bis zum inszenierten Abgang. Die mehrfach angedrohte zweite TERF-Welle ist bis zum Schluss ausgeblieben; es blieb bei diesem einen Account. Neu und erwähnenswert ist ein anderes Muster: die auffällige Dichte an KI-Nutzung im Forum. Syd lässt "Redaktionsassistentin Claudi" eine StGB-Analyse fahren, Florentine bemängelt Halluzinationen "seit Opus 4.6" und baut seine Russland-These "mit Chatty", Ernst wiederum nutzt "Claude Fable 5" für seinen Test — mitsamt einer kleinen Meta-Debatte darüber, ob man KI-Ergebnisse ungeprüft übernehmen darf. Florentine — durchgängig so geführt — ist quer durch Neusprech-, Faschos- und SWR-Thread erneut die aktivste analytische Gegenstimme, flankiert von Ernst, Flo, Kompost und Syd. Plattkofel liefert im Nachgang den Recherche-Service zur gelöschten Doxing-Stelle. Keine Copy-Paste-Muster, keine koordinierte Aktion.

Das war's für heute — schön, dass Ernuwieder dem YouTube-Feed endlich einen echten außenpolitischen Widerspruch schenkt, dass Kokosmilch mit der Händigkeits-Parodie die ganze Woche in einem einzigen Text auf den Punkt bringt, und dass JakobB und Kompost die Leihmutter-Frage weiter mit Ernst und ohne Häme ausleuchten. Passt auf euch auf, bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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