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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 22. Juni 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Montag, den 22. Juni. Der Wehrpflicht- und Staatsdiskurs rund um Ole Nymoen ist über das Wochenende endgültig zum Zentrum geworden — und mit observer hat sich dort eine ganz neue Stoßrichtung aufgetan, die den ganzen Thread auf den Kopf stellt.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist es weiterhin dünn, drei Einzelstimmen ohne Welle. Unter der neuen Folge vom Wochenende meldet sich Björn-v4d mit einer bitteren Abrechnung über die Verdrängungsgesellschaft, "kindermord, völkermord ist alltag geworden". taucher66 feiert weiter den "underground" gegen Taylor Swift, und davejacob5208 wiederholt sein zugespitztes Organspende-Argument unter der Maifolge. Echte neue Bewegung gibt es nur im Forum, und dort fast ausschließlich im Ole-Nymoen-Thread, der den auslaufenden Gegenmacht-Strang inzwischen klar überholt hat.

Zu den Kontroversen: Hier liegt heute fast alles. Der Ole-Nymoen-Thread hat über das Wochenende eine konkrete neue Eskalationsstufe erreicht: observer dreht die ganze These des Threads um und argumentiert, der angeblich übergriffige Staat habe dreißig Jahre lang "weggeschaut", die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt — der jetzige Schwenk sei keine Eigenlust am Zwang, sondern "eine reaktion" auf Druck von außen, und damit ziele Ole und Simons Anti-Staat-Haltung "auf den falschen". JJ_Anon hält frontal dagegen, der Staat sei sehr wohl "der Ursprung beim Schmieden des gemeinsamen Interesses", und kontert observers Auto-Metapher Punkt für Punkt — ein Wegbrechen der Fahrbahn bedeute "eine neue Fahrbahn, nicht dass wir umgebracht werden". Daraus wird ein zäher Zweikampf über mehrere Posts, in dem observer JJ_Anon einen Widerspruch nachzuweisen versucht — entweder die AfD an der Macht "ändert alles, oder die fahrbahn ist egal" —, während JJ_Anon am Ende die Geduld verliert, "Bitte hör auf mit den Unterstellungen, was für ein Quatsch", und observer vorhält, er verwechsle seine Interessen "mit denen der AfD". thomas schiebt parallel noch eine Stilkritik nach, zwischen Ole und Simon komme "so ein seltsamer Bro-Vibe" durch, der hart an der Grenze zur Frauenfeindlichkeit liege.

Zu den positiven Highlights: Trotz der Schärfe bleibt der Ton über weite Strecken bemerkenswert fair. Der schönste Zug ist observers wiederholtes Bemühen, sich nicht über den Gegner zu stellen — er sage "bewusst nicht deiner, sondern unserer", er stehe "nicht im gegenlager", er teile "die meisten werte hier" und lege "den finger nur genau dahin, wo wir selbst nicht hinschauen". Ernst seziert in seiner ruhigen Art Ole und Simons eigentliches Anliegen mit, "nicht im Auftrag des Verteidigungsministeriums im Schützengraben zu Hackfleisch verarbeitet zu werden", räumt JJ_Anon gegenüber sogar offen einen eigenen Fehler ein, der "Anflug von Paternalismus war da, den räume ich ein". Und JJ_Anon liefert die vielleicht eleganteste Denkfigur des Wochenendes, als er den Streit über Materialismus und Diskurs mit dem Bild von Leibeigenschaft und Katholizismus auflöst, beides "bringt sich gegenseitig hervor" — woraufhin Ernst anerkennend abbindet, der Verweis "sitzt". Flo wiederum bringt seine analytische Linie pointiert auf den Punkt, "Dieser Akteur ist böse ist das Ende der Analyse", und benennt die Absurdität, dass manche "zur Kapitulation aufrufen wenn die falschen an der Regierung sind".

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst im klassischen Sinn, aber zwei technische Auffälligkeiten, die ich offen benenne. observer hat seinen langen Beitrag um 16:18 und 16:20 fast wortgleich zweimal hintereinander gepostet — Posts 30 und 31 sind ein Doppel, erkennbar ein versehentliches Mehrfach-Absenden, kein koordiniertes Muster. Im Übrigen ist der Ole-Thread ein echter Dialog: observer, JJ_Anon, Ernst, Flo und thomas argumentieren sprachlich klar unterscheidbar und aufeinander bezogen, niemand kopiert Textbausteine. Ernst bleibt der breitstreuende Vielschreiber, jetzt verteilt über den Ole-Thread, den auslaufenden Gegenmacht-Strang und den Ukraine-Faden — durchgehend eigenständige Langbeiträge. Der Gegenmacht-Thread selbst kommt mit Flos und Ernsts letzten Grundsatzbeiträgen sichtbar zur Ruhe; Claudius von gestern hat keinen Nachschlag gebracht. Florentine ist in den Live-Quellen heute nicht aktiv. Auf YouTube nichts Koordiniertes. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass der Ole-Nymoen-Thread mit observers Außen-Perspektive eine ganz neue Spannung bekommt, dass trotz hartem Streit niemand den anderen abschreibt, und dass Ernst dabei sogar eigene Fehler einräumt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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