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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Dienstag, den 1. September. YouTube liegt komplett brach, dafür kocht im Forum die KI-Debatte auf einem neuen Höhepunkt — der Hugging-Face-Hack und die Frage, wie beeindruckt man davon eigentlich sein darf, ziehen die klügsten Köpfe zusammen.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist wirklich Sendepause — der einzige Beitrag der letzten Tage ist DStephan90 unter der Juli-Folge mit dem abgebrochenen Satz "Die Melodie am Ende der Sendung ist", ohne Anschluss. Im Forum verschiebt sich alles auf KI, und zwar konkret auf den Hugging-Face-Hack: TauchenIstRoetlich bringt einen Rutger-Bregman-Substack ins Spiel, in dem ein Report-Autor wörtlich warnt, der Vorfall fühle sich an "like it's more than 50% of the way to full-blown AI takeover", man bekomme vielleicht keinen weiteren "warning shot". Einen Tag später löst er das selbst auf, das sei im Kontextfenster-Podcast "gut erörtert" worden. Lymi macht im Alias-Thread das Fass grundsätzlich auf und fragt Stefan direkt, ob das jetzt "immer wieder von vorne los" gehe — die eigentliche Gefahr liege "nicht an der KI, sondern am Rationalisierungswahn". Insgesamt: YouTube tot, das Forum thematisch so konzentriert auf KI wie lange nicht.

Zu den Kontroversen: Der schärfste neue Streit läuft im "Kontextfenster"-Thread um die Frage, wie überraschend der Hugging-Face-Hack wirklich war — und er hat sich seit gestern deutlich zugespitzt. gbeine bleibt bei seiner Erwartbarkeits-These, die KI-Agenten hätten "exakt das gemacht, wofür sie gebaut sind", und schärft sie mit Ockham und Hanlon: die Frage sei nicht, wie viel Ahnung jemand habe, sondern nur "War das erwartbar?". Kassiber kontert am hartnäckigsten und dreht es gegen gbeine selbst — es gehöre "schon sehr viel Selbstbewusstsein" dazu, der Erwartbarkeit so viel Gewicht zu geben, "der Dunning-Kruger-Effekt lässt grüßen". Ermel bringt die produktivste Zwischenposition: Ob das Experiment schlecht gebaut war, hänge vom Ziel ab — sei das Ziel gewesen, "den Hype hoch zu halten", habe es "sein Ziel erreicht". gbeine trennt daraufhin sauber Setup und Ziel: für ein seriöses Experiment sei das Setup unpassend, "für Marketing passend: offensichtlich ja". Eine richtig gute, hitzige Runde, in der niemand mit fertiger Meinung rausgeht.

Zu den positiven Highlights: Das Forum feiert vor allem, wie fruchtbar die KI-Debatte gerade läuft. Kassiber liefert den nachdenklichsten Beitrag der Woche, wenn er offen einräumt, er arbeite genug mit KI, "um zu merken, wie schmerzhaft stumpf dieses Programm oft ist", und den "Cui Bono"-Ansatz für nie verkehrt hält — nebenbei lobt er Florentine, bei der er erstmals gehört habe, dass das "Reasoning-Geblubber" der KI nur "ein unnötiger Schein aufeinander aufbauender Gedankenfolgen" sein könnte. Im KI-Klagen-Thread liefert Ernst die eleganteste Einordnung: KI-Tools würden ihren Nutzern kaum "ungefähr stärkere Autonomie-Fähigkeiten" vermitteln, der größte Nutzen liege vielleicht in der Übersetzung von Verwaltungsdeutsch. Und blupz bringt zweimal den trockensten Ton — erst zum lahmgelegten Sozialgericht, "wie kann man was lähmen was schon gelähmt ist", dann grundsätzlich, wie man "ein Vertrauen verlieren" wolle, "was nie richtig da war".

Zum Kampagnen-Radar: Keine Kampagnen-Indikatoren. gbeine ist mit fünf Beiträgen im "Kontextfenster"-Thread der aktivste Kopf des Tages, aber das ist erkennbar echte Auseinandersetzung mit Kassiber und Ermel — lange Argumentationsketten mit Rasiermesser-Vokabular, kein Burst, keine Bausteine. TauchenIstRoetlich fällt durch drei Posts im eigenen Hugging-Face-Thread auf, darunter zwei gelöschte Beiträge, was eher nach Selbstkorrektur aussieht als nach Steuerung. Kassiber, Ernst, Flo und Lymi bleiben produktiv, durchweg Eigenarbeit. Auf YouTube ist schlicht niemand aktiv genug, um überhaupt aufzufallen. Kein Copy-Paste, kein Brigading, keine externe Steuerung.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie der Hugging-Face-Hack die KI-Debatte auf einen neuen Höhepunkt treibt, wie gbeine und Kassiber sich über die Erwartbarkeit des "Ausbruchs" fein und hartnäckig uneinig sind, und wie Kassiber dabei ganz nebenbei die selbstkritischste KI-Beobachtung der Woche beisteuert. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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