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Wir lesen06/2021Antitrust, Pornhub-Phantom, Sahra Wagenknecht, Staatsbürgerschaft, Nachrichten von Männern

Das Wettbewerbsrecht ist nicht bloß das Ergebnis der Politik, die versucht ein wenig Gerechtigkeit herzustellen. In Amerika ist es auch Gründungsmythos. Die Emanzipation von der britischen Krone erfolge über die Abkehr und die Abwehr von Patenten und Monopolen, mit denen die Europäer Amerika regieren wollten. Also gründeten die Aussiedler ihre eigene Regierung, der sie zu Beginn einen Auftrag mitgaben: Zerstöre Big-Business, wo immer es die Freiheit bedroht. Heute regieren die Big-5 aus dem Silicon Valley und das Monopol ist in der Amerikanischen Wirtschaft Normalität. US Senatorin Amy Klobuchar hat nun mit „Antitrust“ ihr Revitalisierungsprogramm für Amerika vorgelegt. „Das Gesetz ist kaputt“, es dient nicht mehr den Menschen. Wir gehen ihre Argumente durch und besprechen, welche ihrer 25 dringenden Handlungsempfehlungen auch für uns gelten sollten.

Dann lernen wir heute Sterben. Die Literatur kennt das Thema schon gut. Doch noch schlägt die Wirklichkeit jeden Roman: In Deutschland liegen rund 30.000 Menschen in „Beatmungs-WGs“. Sie sind eigentlich tot, aber noch etwas am Leben bringen sie Rendite, also lässt man sie nicht gehen. Wir machen uns auf die Suche nach dem Pornhub-Eigner, lesen in den Nachrichten, die Männer an Frauen schicken wenn sie Abenteuer oder Ablenkung suchen.

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Wir lesen05/2021Twitch, #nofriends, Googles Realität, Berkshire Hathaway, Generationenkämpfe

Warren Buffett und Charles Munger haben den Überblick über 100 Jahre selbst miterlebte, und mitgestaltete Wirtschaftsgeschichte. Angesprochen auf MMT und Bitcoin ziehen sie trotzdem blank. Im freien Spiel der Kräfte nützen Theorien wenig, der Markt sagt, was Sache ist also bleibt vom Lebenswerk der alten Herren nur die Empfehlung: Investiert lieber in Indexfonds, als Gurus das Geld anzuvertrauen.

Mit ebensolcher praktischer Intelligenz sortiert sich auch Google weiter in der Welt ein. Inzwischen wollen sie im Silicon Valley alles synthetisieren. Ganz freimütig bewirbt uns Google mit seinen Produkten. Sie nehmen unsere Smartphones, sortieren die alten, unangenehmen Erinnerungen aus unseren Archiven und pflanzen synthetische „cinematic Moments“ hinein. Dass das alles weniger mit Realität als Googles Abbild der Welt zu tun hat, kümmert Sundar Pichai wenig. Er hat diejenigen, die seinem Konzern ethische Einwände von innen entgegenbringen kurzerhand gefeuert.

In dieser neuen Medienwelt findet sich niemand mehr richtig zurecht. Wir besprechen dem Streaming-Boom anhand von Twitch und die #nofriends Dramatisierung bei Youtube. Es ist für alle ein großes Durcheinander. Weshalb wir auch in den Generationenfragen nochmal nach Ursachen forschen. In Amerika und China werden derzeit so wenig Kinder geboren wie einhundert Jahre nicht. Es betrifft die ganze soziale Bandbreite. Und ein interessanter neuer Vorwurf steht im Raum. Gehen die Babyboomer nicht nur mit ihrem Erbe an uns falsch um, sondern auch mit dem, das sie damals bekamen?

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Wir lesen05/2021Ausgeliefert, Tooze über Krugman, Tarzan Economics, Gehorsam macht frei, Petfluencer, Bidenomics

Wer weiter will, muss loslassen können. Darum rankt sich die Idee der „Tarzan Economics“ des Spotify Chef-Ökonomen. Die Musik-Branche wurde von Tonträgern auf Preisschilder für Klicks umgestellt, das gelang. Aber der freie Markt (Patreon) wuchs schneller und andere (Gaming) wurden größer. So weit, so gut – für die Unternehmen. Wenn sich Monopolisten durchkämpfen hinterlassen sie manchmal aber auch verbrannte Erde. Alax MacGillis hat über Amazon in Amerika geschrieben. „Ausgeliefert“ macht zornig, auf Jeff Bezos, aber auch auf die Politik. Nächsten Monat lesen wir Amy Klobuchars 600 Seiten „Antritrust“.

Wir kümmern uns heute um Bidenomics, als Ablösung des Neoliberalismus (was auch immer das war) und als Programm, das beobachtet wird, beispielsweise von Adam Tooze der wiederum Paul Krugmans Biographie mit der Wirtschaftsgeschichte verknüpft. Die „Generation Z“ schaut übrigens kein Fernsehen mehr, pflegt aber ihre Haustiere, als Petfluencer.

Die Geschichtsschreibung des Managements, üblicherweise Ratgeberliteratur, beginnt nun bei Hitler. Johann Chapoutot ordent über uns das Verhältnis von Unternehmen und Staat auch im dritten Reich.

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Wir lesen04/2021Resilienz, #alledicht, Klimapläne, Urbanisierung, China vs Japan, The One

Der Bundestag hat im April die Erlaubnis bekommen. Er darf in die Preisgestaltung des Wohnungsmarkts eingreifen und der Europäischen Union ihre Schulden lassen. Jetzt muss man beides nur noch wollen. Joe Biden macht derzeit alles gleichzeitig. Er redet übers Klima, lässt sich von Japans Regierungschef besuchen, und startet sein Recovery-Programm. Außen-, Innen-, Zukunfts- und Sicherheitspolitik. Und wir wissen noch nicht mal, ob die Kanzlerkandidaten-Aufstellung bis Herbst hält.

Interessanter Weise ist die sozioökonomische Disbalance der Corona-Maßnahmen im April in den Fokus einiger Journalisten geraden. Die allerdings gleich das Narrativ des verständnislosen Migranten aufgriffen. Wir diskutieren das Thema heute nochmal, mit Verweis auf den Wissensstand Juli 2020. Da wusste man im Robert-Koch-Institut schon, was Sache ist, dass es nicht um Ausländer geht und Hilfestellungen geboten sind. Anscheinend setzt die Bundesregierung auf die Impfungwirkung, nicht nur gegen Corona-Infektionen, sondern auch gegen den offensichtlichen Bedarf für Sozialpolitik.

#allesdichtmachen ist bei uns kurz Thema. Der Fortschritt beim Impfen etwas länger. Am Ende schauen wir nach Los Angeles, wo zwar Covid sowei überstanden wurde, jetzt aber der Wahnsinn um sich greift. Zentrale Salon-Lektüre wird: „Ausgeliefert – Amerika im Griff von Amazon“ von Alec MacGillis.

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Wir lesen04/2021Futureproof, Working Class, Triage, RNA-Wunder, Klima-Versagen, Satan Shoes

Würde man das Buch „Arbeiterklasse“ nennen, hätte wohl niemand Lust es zu lesen. Also hat sich Julia Friedrichs für „Working Class“ entschieden. Es ist aber ein Buch für alle. Die einen sollen sich wiedererkennen und bemerken, sie sind nicht allein. Die anderen sollen sich wundern, was alles möglich ist in einer zerfallenden Gesellschaft. Die eine Hälfte hat nichts, oder Schulden. Die andere Hälfte hat genug bis viel zu viel.

Kevin Roose widmet sich auch dem Thema Arbeit. Allerdings droht bei ihm erstmal noch nicht die Armut, dafür die Automatisierung. Früher wurde outgesourced, heute wird gleich wegrationalisiert. Es sei denn, man stemmt sich dagegen. Roose versteht seinen Text auch als Ratgeber.

Wir sprechen außerdem nochmal über RNA-Impftechnologie, heute aber abseits der Corona-Prävention. Und wir besprechen „Triage“, das alte Konzept nochmal neu aufgezogen und ethisch diskutiert. Denn Covid-19 brachte neue Fragestellungen mit, um die auch der dt. Ethikrat bislang einen Bogen machte.

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Wir lesen03/20213 Trillion Dollar, NFT Zufallskunst, Unterschichten-Corona, Bürgerräte, Sues-Thrombose

Amerika hat sich entschieden 5 Billionen Dollar für die eigenen Bürger auszugeben. Das Geld, sagt Stephanie Kelton, musste nicht erst gesucht und gefunden werden, oder durch Sparen anderswo gegenfinanziert. Der Congress wird entscheiden, damit ist es da. Das bringt das Land einen großen Schritt nach vorn. Wir Europäer bleiben zurück. Wir blockieren uns mit Idiotie selbst. Die Hauptrolle spielt mal wieder das Bundesverfassungsgericht. Es ist nun wirklich Zeit für neues politisches Denken.

… doch es kommt nicht. Stattdessen erleben wir Partizipationstheater rund um Bürgerräte und Direktdemokraten, die nicht aus dem Quark kommt. Menschen reden sich mit endlosen Monologen den Mund fusselig und sitzen sich dann in Stillarbeit gegenüber, weil sie unzufrieden sind und glauben, es mangelt an ihrer Idee. Noch weniger Bewegung war diesen Monat nur im Sueskanal. Alles stand still. Die Globalisierung hat eine Herzattacke bekommen.

Action gabs auf dem Kunstmarkt. Dass Beeple seine „Everydays“ für fast 70 Millionen Dollar verkaufen konnte, verdankt er einer neuen Technologie – die noch viel mehr kann als Zufallsdaten zu generieren. NFTs holen die Einzigartigkeit in die digitale Welt. Im Schlepptau haben sie Smart-Contracts, über die wir heute noch lächeln. Doch schon morgen könnte jemand auf eine raffinierte Idee kommen. Wir besprechen es und blicken ansonsten noch auf den Wahlmonat März, die Rentnerrepublik hat gewählt. Und über das nervende Virus reden wir natürlich auch. Corona mausert sich zur Unterschichten-Krankheit, was wir aber noch nicht wahr haben wollen.

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Wir lesen03/2021History has Begun, Liebesgeständnisse, Spiegel-Aufmacher, Mai Thi, Baptiste Giabiconi


Amerika will keine Insel vor Asien sein, aber auch nicht länger das Exil für Europäer. Also entwickelt es sich, vom Exportweltmeister des Amerikanischen Way of Live zum wahren Weltengestalter. Dafür, schreibt Bruno Macaes, müssen ein paar Dinge auf der Strecke bleiben. Aber die Angst, sich von seiner Gründungsgeschichte zu weit zu entfernen, kennen ohnehin nur die Europäer. Amerika hat sich längst eingerichtet in der neuen Virtualität, in der alles möglich ist, sofern man den Wunsch gut auf die Straße bringt.

Donald Trump versprach die Vormachtstellung in der Welt, Bernie Sanders die sozialistische Revolution und Alexandria Ocasio-Cortez die grüne Weltrettung. Nun muss sich der Wähler nur entscheiden und der Wunsch wird Wirklichkeit. Ganz anders in Europa: Hier sucht Mai Thi die kleinste gemeinsame Wirklichkeit und der Spiegel traut sich eine Titelgeschichte über Corona zu, in der die Politiker mal keine Rolle spielen. Stattdessen gehts um all die ausgefallenen Küsse. Die Liebe ist auch Thema bei François Jullien. Er sagt, wir sollen nicht so viel quatschen.

In Frankreich beginnt der Wahlkampf mit einer Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Universitätspräsidenten. Macron will LePen Wind aus den Segeln nehmen, in dem er ihre Vorbehalte gegen die neuen Sozialwissenschaften schon mal auf den Rechtsweg bringt. Das ist heikel.

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