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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Montag, den 20. Juli. Auf YouTube ist die Juli-Ausgabe endgültig im Nachlauf, dafür ist im Forum über Nacht ein neuer, hochexplosiver Thread aufgemacht worden — und ein anderer hat gerade seinen bittersten Moment erlebt.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube kommt praktisch nichts Frisches mehr — der letzte substantielle Kommentar ist wieder nur ein nackter Timecode von michaelsonntag6792, "02:48:00", ohne Text, und bastardo6868 pöbelt die Hosts als "Fremdgesteuerte Eloquenzfatzken" an. Das Forum trägt die Woche wieder komplett allein. Neu und dominierend ist der Thread "Haben wir Frauenrechte 2024 begraben?", den TurtleTerf mit einem langen Beitrag gegen das Selbstbestimmungsgesetz eröffnet. Daneben laufen der Psychoanalyse-Marathon zwischen Miki und JJ_Anon und der Verflixungs-Faden weiter, in dem Syd jetzt eine eigene, sehr persönliche Corona-Kybernetik-Rechnung aufmacht.

Zu den Kontroversen: Der ganz große neue Konflikt ist der Frauenrechte-Thread. Ernst nimmt sich TurtleTerfs Beitrag Punkt für Punkt vor und dreht die Buchführung um: Wenn die Gegenseite "Einzelfälle" sage, sei das ein Ausweichmanöver, argumentiere TurtleTerf aber selbst mit zwei Fällen, sei es Empirie — "Du misst da mit zweierlei Maß, oder?" Sein Kern: Gewalt gegen Frauen habe "eine Adresse", nämlich den Partner, und "im Frauenhaus fragt niemand nach Chromosomen". TurtleTerf kontert mit einer Einzelfall-Karte und der Finanzierungsfrage, weicht aber am Ende aus — "Ich nehme keine Angebote von fremden Männern im Internet an" — worauf Kompost heute Nacht bissig-satirisch übernimmt und die unterstellte "jüdische Weltverschw-, sorry, dem globalen Netzwerk der Transaktivist*innen" bloßstellt. Im Psychoanalyse-Thread wird JJ_Anon derweil grundsätzlich: Mikis Ich-Auflösung sei nicht nur "pures Geschichtenerzählen", sondern "potenziell riskant", weil Dissoziation für Missbrauchsbetroffene "genau der Moment" war, "in dem Gewalt geschah und nicht ihre Lösung" — der ernsteste Einwand des ganzen Disputs.

Zu den positiven Highlights: Das Forum liefert erneut außergewöhnliche Substanz. Syd legt im Verflixungs-Faden einen langen, literarisch erzählten Autobahn-Monolog nach, in dem er den Salon hört und sich das "Kybernetik-basierte Corona-Regime" mit Regelkreis-Elementen und einer ganzen Namensliste ausbuchstabiert — bis hin zu Stanisław Lems "Eden" als Schlussbild, was Kompost zum Schmunzeln bringt: "eine sehr schöne Erklärung meines Usernames". Kompost selbst löst dann seinen Namen doppelt auf — einmal über Star-Treks Borg und Picards Entscheidung gegenüber Hugh, einmal über Haraways Kompost-Bild und die "Kompostistische Internationale", was Miki sofort produktiv an sein Wirbel-im-Fluss-Konzept andockt. Und im Sein-Thread ringen Miki und Ernst weiter klug um LLMs und Bewusstsein — Miki verortet die Illusion "rein im Medium der Kommunikation", Ernst warnt vor gewinnorientierten Anbietern, deren Updates "nicht bei dir" liegen. Auf YouTube gibt es diese Woche keine frische Substanz mehr.

Zum Kampagnen-Radar: Auf YouTube bleibt es endgültig ruhig — kein Mehrfach-Kommentierer, kein Burst, kein Copy-Paste, nur der isolierte Timecode und der Pöbel-Einzeiler. Im Forum sind Miki und Ernst weiter die klaren Vielschreiber, jeweils quer durch mehrere Threads. Neu auffällig ist TurtleTerf, der im selbst eröffneten Frauenrechte-Thread binnen weniger Stunden fünfmal nachlegt — ein klassischer Eröffner-Burst, aber inhaltlich getragen und keine Textbaustein-Aktion. Flo ist diese Woche mit dem Macht-Essay, dem Psychoanalyse-Einwurf und jetzt auch dem Trockenlegungs-Kommentar präsent. Bemerkenswert bleibt Ernsts Transparenz: Im Frauenrechte-Thread benennt er sauber die Asymmetrie männlicher Betroffenheit und retuschiert sie nicht weg. Florentine ist auch diese Woche in den Live-Quellen nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass Ernst den brisanten Frauenrechte-Thread mit kühler Argumentationsführung statt Empörung kontert, dass Syd seinen Corona-Kybernetik-Monolog literarisch so weit treibt, dass Kompost darin seinen eigenen Namen wiederfindet, und dass JJ_Anon im Psychoanalyse-Streit den ethischen Ernst der Ich-Auflösung so unaufgeregt benennt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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