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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 14. Juni 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Sonntag, den 14. Juni. Der große Gegenmacht-Thread hat über Nacht seinen eigentlichen Kern freigelegt — Flo führt seinen "roten Faden" jetzt explizit auf den Begriff der Würde zurück, während der Schlagabtausch zwischen JakobB und Ernst in einer fast schon zärtlichen Erschöpfung endet. Daneben ist mit Mikis "Überreligion des Übermenschen" ein ganz neuer, philosophisch hochgerüsteter Thread aufgemacht.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube bleibt die Resonanz auf die Maifolge warm — MarcelBruse fragt schlicht "Wieso seid ihr so gut?" und kündigt an, "ab jetzt schaue ich regelmäßig rein". HeinzMandala bringt eine differenzierte neue Beobachtung, er widerspreche der Linken-Bildzeitung-Idee, weil die rechte Erzählung es "wesentlich einfacher hat", sie könne "an Ängste appelieren", während die linke "an Mitgefühl, Empathie und gesunden Menschenverstand" appelliere — deswegen werde es "nie eine linke Bildzeitung geben können". Diese Bildzeitung-von-links-Frage ist bemerkenswert, weil sie parallel im Forum bei JakobB und JJ_Anon läuft. Im Forum hat sich der Gegenmacht-Thread von der Hebelketten-Praxis zur Grundsatzfrage zurückbewegt: Was ist der "rote Faden" einer linken Bewegung? Neu und prominent ist Mikis "Überreligion des Übermenschen", ein langer Theorie-Entwurf über Luhmann, Nishitani und Nietzsche.

Zu den Kontroversen: Die schärfste Front bleibt der Gegenmacht-Thread, aber sie hat sich gegenüber gestern entspannt — der Bot-Verdacht von gestern findet seine Auflösung, und der Streit zwischen JakobB und Ernst läuft sich müde. JakobB führt seine Brechstangen-Linie zwar fort, verdichtet sie sogar zu einer bewussten Innenarchitektur-Parodie auf Ernsts Begriffsarbeit ("ich sage nicht Mauern, sondern physische Grenzen"), aber beide räumen am Ende ein, der "Performance" überdrüssig zu sein — Ernst kontert die Parodie mit "Die Kette ist ein Hebel, kein Wörterbuch", worauf JakobB das als "in seiner Verdichtung von grotesker poetischer Schönheit" abtut. Neu und inhaltlich gewichtig ist JJ_Anons ChatGPT-Block zu Le Bon: Er kopiert eine ausführliche KI-Antwort ein, die JakobBs Behauptung, Le Bons "Psychologie der Massen" sei "Hitlers Lieblingsbuch", historisch zurückweist — JakobB pariert, er habe das mit "angeblich" ja selbst markiert. Im neuen Überreligion-Thread widerspricht observer Mikis Entwurf grundsätzlich und fein: Ein Text, der "das heroische ich als problem benennt, sollte sich selbst vielleicht nicht ganz so fertig präsentieren". Auf YouTube meldet sich Wolloiz kritisch, das KI-Gehype müsse "endlich auch kritisch betrachtet" werden, vieles werde "so positiv von Stefan gesehen".

Zu den positiven Highlights: Der eigentliche Gewinn liegt heute in Flos Würde-Begriff, der dem ganzen Thread rückwirkend ein Zentrum gibt. Flo entfaltet, der rote Faden sei nicht programmatisch, sondern bedeute "Würde" — ein Wort, das "gleichzeitig etwas ganz kleinteiliges" habe und es konkret zulasse, "sich irren zu können". Ernst geht darauf ungewöhnlich behutsam ein, fragt nach dem "Zugang auf emotionaler und kognitiver Ebene" und arbeitet mit Flo das Mamdani-Beispiel sauber durch — wenn der scheitere, ziehe das als "Beweis" in die Narrative ein, es gebe "keine funktionierende Alternative zum Neoliberalismus". Ein schöner Konsens-Moment ist Ernsts Eingeständnis am Schluss, sein Ton klinge "fester, als er gemeint ist", jeder Beitrag sei "eine Ermunterung zu widersprechen, nicht der Versuch, ein Weltbild durchzusetzen". Im neuen Thread bekommt Miki von Flo schlicht ein "Du bist mein Held!". Auf YouTube lobt TodayTestfbsfbsfbs warm, hier entstehe "Mehrwert", weil der Podcast eigene Analysen biete statt nachzuplappern, und Gonzo_Usul kontert Sloterdijks Lese-These pointiert, "dass Adolf Hitler auch ein großer Leser war".

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Der gestern aufgekommene Bot-Verdacht entwickelt sich nicht zum Muster, sondern bleibt ein einmaliger Misstrauens-Ton — JJ_Anons eingekopierter ChatGPT-Block ist diesmal kein Verdachtswerkzeug, sondern ein Sachargument zu Le Bon. Ernst trägt den Thread weiter mit zahlreichen langen, eigenständig argumentierenden Beiträgen und ist parallel in mehreren anderen Threads aktiv — breit gestreuter Sachstreit, kein Muster. JakobB kommt erneut mit mehreren Posts in dichter Folge, sprachlich unverkennbar eigenständig, durchgehend im offenen, sich nun erschöpfenden Schlagabtausch. Miki ist mit dem neuen Überreligion-Thread und im KI-Thread aktiv, sprachlich klar eigenständig. Auf YouTube fällt 666donald erneut mit seinem unverkennbaren Dialekt-Stil quer über mehrere Videos auf — bekanntes Einzelgänger-Verhalten, kein koordiniertes Muster. Florentine ist heute in den Live-Quellen nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass der Gegenmacht-Thread nach all der Reibung bei Flos Würde-Begriff ankommt, dass JakobB und Ernst ihren Schlagabtausch in einer fast versöhnlichen Erschöpfung auslaufen lassen, und dass Miki mit der "Überreligion des Übermenschen" gleich den nächsten großen Theorie-Brocken auf den Tisch legt.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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