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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 18. Juni 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Donnerstag, den 18. Juni. Der Gegenmacht-Thread ist nach Tagen Dauerlast jetzt klar in seine Schlussphase eingebogen — die Bildzeitung-von-links-Front läuft noch, aber sie ist von der Mechanik bei zwei konkreten Reichtums-Fällen angekommen, und daneben tauchen erstmals ganz frische Service- und Nebenfäden auf.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist es ruhig, aber zwei neue Stimmen lockern auf. Unter dem neuen Precht-Video freut sich taucher66 über "long live the underground" und grenzt ab, "taylor swift hat mit kunst im eigentlichen sinne nichts zu tun". MarcelBruse bleibt mit "Wieso seid ihr so gut?" die wärmste Geste, und davejacob5208 spitzt unter der Maifolge das Organspende-Argument zu, "Schweigen als Zustimmung bei Organspende ist die aktuelle Politik dagegen, aber offenbar bei Vergewaltigung dafür?". Im Forum verschiebt sich das Gewicht endgültig weg vom Gegenmacht-Monolithen: Es gibt zwei reine Service-Threads — Andrew und volkssport handeln per WhatsApp ein Live-Salon-Ticket aus, und Tim fragt nach einem Transkript zur letzten Salon-Folge, worauf observer eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung über Steady und Turboscribe liefert und ausdrücklich anmerkt, "florentine hat es gut erklärt".

Zu den Kontroversen: Die Bildzeitung-von-links-Front ist heute die einzige wirklich lebendige Reiberei, und sie hat eine konkrete neue Wendung genommen — weg von der Grundsatzfrage, hin zu zwei ausgeschriebenen Musterartikeln an realen Personen. Syd steigt neu ein und liefert zwei fertige Boulevard-Schlagzeilen, einmal gegen Bill Gates als "Epstein-Kumpel" und angeblichen Pandemie-Profiteur, einmal gegen den "Schrauben-Milliardär Würth" und dessen Museum als Steuertrick — "Auf echte Sünder muss LINKS! zeigen, Sündenböcke brauchen wir nicht". JakobB hält die juristische und moralische Gegenfrage hoch, gegen Würth werde "wahrscheinlich seine Anwälte losschicken", und bohrt nach, wie man denn das "Museum Würth" überhaupt beantworte. Ernst widerspricht der Personalisierung grundsätzlich, so mache man die Reichen "lediglich zur Projektionsfläche", adressiert werden müsse "stets die Legislative", und mahnt, man solle "Aufmerksamkeit nicht mit Wirksamkeit verwechseln". JJ_Anon dreht parallel an der theoretischen Schraube und wirft JakobB vor, mit seinem Mayer-Ahuja-Dreiklang aus Staat, Gewerkschaften und Kampf um die Köpfe "im Fordismus stecken geblieben" zu sein — was JakobB sichtlich genervt kontert, er gebe doch nur das Buch wieder, und JJ_Anon komme ihm "mit Deleuze".

Zu den positiven Highlights: Schön ist, wie JJ_Anon die Diskussion immer wieder ruhig sortiert — seine klarste Markierung heute ist, dass solche Medien "nicht zuerst moralisch, sondern affektiv" arbeiteten, sie bündelten "Empörung, Angst, Neugier oder Zustimmung" je nach Thema, weshalb man besser auf "Interessen und Lebensrealitäten" schaue als auf Moral. Ernst legt dazu seine vielleicht sauberste Bilanz des ganzen Streits vor: Beide Boulevard-Formen teilten dieselbe Grammatik, der Unterschied liege "vollständig in vier Vorzeichen" — Richtung, Wahrheit, Leserbild und Zweck —, und die linke Form sei deshalb "strukturell die schwierigere", weil drei davon sie verteuerten. Sein Renten-Musterartikel mit der Würde-Pointe und Syds detailreich recherchierte Würth-Schlagzeile sind, bei aller Streitbarkeit, handfeste Schaustücke dafür, wie ernst hier um die Form gerungen wird. Und ganz am Rand bringt Ernst im Kant-Zitat zum "Volk von Teufeln" noch einen feinen historischen Anker ein, der zeigt, dass das alles "ein ewiges Ringen" sei. Im Ukraine-Thread liefert Ernst zudem eine nüchterne Recherche zu lateinamerikanischen Kartell-Mitgliedern, die sich als Drohnen-Lerner in die Internationale Legion einschleusen — Material, das hier einige goutieren dürften.

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Ernst bleibt der aktivste Account, jetzt aber breit über mehrere Threads verteilt — Bildzeitung, Ukraine, Klingbeil, Staatskapitalismus, dazu der neue Kant-Anker — durchgehend lange, eigenständig argumentierende Beiträge, kein Muster. Neu in der Bildzeitung-Front ist Syd, der mit zwei sehr ähnlich gebauten Musterartikeln dazustößt; das ist klar eigene Schreibe und passt in den laufenden Strang, kein Anlass zur Sorge. JakobB und JJ_Anon halten weiterhin zu zweit die theoretische Gegenstimme, sprachlich klar unterscheidbar, im offenen Austausch. Mikis "Überreligion des Übermenschen" läuft als einzelner Langtext weiter, von Flo mit "Du bist mein Held!" begrüßt und von observer skeptisch eingeordnet — kein koordiniertes Muster. Florentine ist in den Live-Quellen heute nur indirekt präsent, nämlich als Referenz in observers Transkript-Anleitung; selbst aktiv geschrieben hat sie nicht. Auf YouTube nichts Koordiniertes. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass die Bildzeitung-Frage jetzt an echten Fällen wie Gates und Würth konkret wird, dass mit den Ticket- und Transkript-Threads ganz bodenständige Service-Fäden danebenliegen, und dass observer dabei sogar Florentines alte Anleitung weiterreicht. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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