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Wir lesen04/2021Futureproof, Working Class, Triage, RNA-Wunder, Klima-Versagen, Satan Shoes

Würde man das Buch „Arbeiterklasse“ nennen, hätte wohl niemand Lust es zu lesen. Also hat sich Julia Friedrichs für „Working Class“ entschieden. Es ist aber ein Buch für alle. Die einen sollen sich wiedererkennen und bemerken, sie sind nicht allein. Die anderen sollen sich wundern, was alles möglich ist in einer zerfallenden Gesellschaft. Die eine Hälfte hat nichts, oder Schulden. Die andere Hälfte hat genug bis viel zu viel.

Kevin Roose widmet sich auch dem Thema Arbeit. Allerdings droht bei ihm erstmal noch nicht die Armut, dafür die Automatisierung. Früher wurde outgesourced, heute wird gleich wegrationalisiert. Es sei denn, man stemmt sich dagegen. Roose versteht seinen Text auch als Ratgeber.

Wir sprechen außerdem nochmal über RNA-Impftechnologie, heute aber abseits der Corona-Prävention. Und wir besprechen „Triage“, das alte Konzept nochmal neu aufgezogen und ethisch diskutiert. Denn Covid-19 brachte neue Fragestellungen mit, um die auch der dt. Ethikrat bislang einen Bogen machte.

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Wir lesen03/20213 Trillion Dollar, NFT Zufallskunst, Unterschichten-Corona, Bürgerräte, Sues-Thrombose

Amerika hat sich entschieden 5 Billionen Dollar für die eigenen Bürger auszugeben. Das Geld, sagt Stephanie Kelton, musste nicht erst gesucht und gefunden werden, oder durch Sparen anderswo gegenfinanziert. Der Congress wird entscheiden, damit ist es da. Das bringt das Land einen großen Schritt nach vorn. Wir Europäer bleiben zurück. Wir blockieren uns mit Idiotie selbst. Die Hauptrolle spielt mal wieder das Bundesverfassungsgericht. Es ist nun wirklich Zeit für neues politisches Denken.

… doch es kommt nicht. Stattdessen erleben wir Partizipationstheater rund um Bürgerräte und Direktdemokraten, die nicht aus dem Quark kommt. Menschen reden sich mit endlosen Monologen den Mund fusselig und sitzen sich dann in Stillarbeit gegenüber, weil sie unzufrieden sind und glauben, es mangelt an ihrer Idee. Noch weniger Bewegung war diesen Monat nur im Sueskanal. Alles stand still. Die Globalisierung hat eine Herzattacke bekommen.

Action gabs auf dem Kunstmarkt. Dass Beeple seine „Everydays“ für fast 70 Millionen Dollar verkaufen konnte, verdankt er einer neuen Technologie – die noch viel mehr kann als Zufallsdaten zu generieren. NFTs holen die Einzigartigkeit in die digitale Welt. Im Schlepptau haben sie Smart-Contracts, über die wir heute noch lächeln. Doch schon morgen könnte jemand auf eine raffinierte Idee kommen. Wir besprechen es und blicken ansonsten noch auf den Wahlmonat März, die Rentnerrepublik hat gewählt. Und über das nervende Virus reden wir natürlich auch. Corona mausert sich zur Unterschichten-Krankheit, was wir aber noch nicht wahr haben wollen.

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Wir lesen03/2021History has Begun, Liebesgeständnisse, Spiegel-Aufmacher, Mai Thi, Baptiste Giabiconi


Amerika will keine Insel vor Asien sein, aber auch nicht länger das Exil für Europäer. Also entwickelt es sich, vom Exportweltmeister des Amerikanischen Way of Live zum wahren Weltengestalter. Dafür, schreibt Bruno Macaes, müssen ein paar Dinge auf der Strecke bleiben. Aber die Angst, sich von seiner Gründungsgeschichte zu weit zu entfernen, kennen ohnehin nur die Europäer. Amerika hat sich längst eingerichtet in der neuen Virtualität, in der alles möglich ist, sofern man den Wunsch gut auf die Straße bringt.

Donald Trump versprach die Vormachtstellung in der Welt, Bernie Sanders die sozialistische Revolution und Alexandria Ocasio-Cortez die grüne Weltrettung. Nun muss sich der Wähler nur entscheiden und der Wunsch wird Wirklichkeit. Ganz anders in Europa: Hier sucht Mai Thi die kleinste gemeinsame Wirklichkeit und der Spiegel traut sich eine Titelgeschichte über Corona zu, in der die Politiker mal keine Rolle spielen. Stattdessen gehts um all die ausgefallenen Küsse. Die Liebe ist auch Thema bei François Jullien. Er sagt, wir sollen nicht so viel quatschen.

In Frankreich beginnt der Wahlkampf mit einer Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Universitätspräsidenten. Macron will LePen Wind aus den Segeln nehmen, in dem er ihre Vorbehalte gegen die neuen Sozialwissenschaften schon mal auf den Rechtsweg bringt. Das ist heikel.

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Wir lesen02/2021Impfen & Testen, MSC, Decision Making, Tim Cook, FB vs. Australien, Dispersion

Vor einem „Daten-Industriellen-Komplex“ warnen, der Daten zu Waffen macht und unser aller Freiheit beendet – das kann jeder. Die Feuilletons sind voll davon. Doch hierbei handelt es sich um Worte von Apple-Chef Tim Cook, ausgesprochen vorm Europäischen Parlament. Er griff sie im Februar wieder auf. Denn damals war noch Gerede, was heute umgesetzt wird. Das nächste große Update des Betriebssystems aller iPhones wird Facebook schwer treffen. Wir besprechen heute Tim Cooks aktuelle Rede zur Privacy und ihre ganz praktischen Folgen.

Ganz anders war die Dramaturgie der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Man wollte sich knuddeln, lud also China und Russland erst gar nicht ein und begrüßte Amerika zurück im Kreise der guten Gesellschaft. Das war zuweilen peinlich, mitunder aber auch ärgerlich. Denn der Festakt entsprach nicht ganz seinen realen Notwendigkeiten. Corona geschuldet traf man sich auch nur kurz und lediglich virtuell.

Bis das nächstes Jahr anders sein wird, vergehen noch viele Monate. Bill Gates sprach in München davon, neue Grundlagenimpfungen zu etablieren und Milliarden von Menschen in Wochenfrist auf Krankheiten zu testen. Von all dem merkt man in Deutschland fast nichts. Die Impfungen sind zu knapp, der Impfablauf ist zu schwerfällig und die Antigentest-Diagnosen stehen noch immer in den Sternen. Wir fassen die Lage gleich zu beginn zusammen. Am Ende gibts ein Unboxing von Stefans Schnelltestlieferung aus Österreich.

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Wir lesen02/2021Grace Blakeley, Handorakel, Obama, Kirchenbücher, Zero-Covid, Kino und Konsole

Den modernen Staat gebe es nur noch als Durchlauferhitzer fürs Geld auf dem Weg von den Armen zu den Reichen, schreibt Grace Blakeley. Betriebswirtschaftlich ist das gar nicht kompliziert, man braucht nur große Banken, eine politische Klasse als Gehilfen und viele Bürger die keine Ahnung vom Finanzwesen haben, aber große Kredite abbezahlen. Finanzialisierung galt vor 40 Jahren als die Lösung, heute pendelt man zu lang zur Arbeit, findet keinen Arzt, lebt in zu teurer Wohnung und erstickt am Bildungskredit. In „Stolen“ schreibt Grade Blakeley über die angelsächsische Realität einer Gesellschaft am Ende, die eine neue Geschichte braucht, also auch neue Protagonisten, die sie gestalten. Wir diskutieren den Text und vergleichen ihn mit der deutschen Diskussion. Wie immer ist der Knackpunkt der Ausweg. Es mangelt zumindest nicht an Ideen.

Wolfgang hat sich das frisch übersetzte Handorakel von Baltasar Gracián angeschaut. Es hat Jahrhunderte auf dem Buckel, liest sich aber doch auch wie eine Anleitung zur artgerechten Social-Media-Nutzung. Offenbar wandelt sich immer nur die Technologie, der Rest erscheint uns ganz vertraut, aber so zertlos umso interessanter. Stefan hat begonnen, Barack Obamas stunden, eigentlich tagelange, Biographie anzuhören. Ja, Clubhouse und Podcasts haben das Netz mit Audio überschwemmt. Aber wenn die Geschichte stimmt und der Vorleser passt (Obama liest selbst), kann aus tröger Politik doch ein Spektakel werden. Obama und seinem Verlag ist Außgergewöhnliches gelungen.

Wir schauen zudem in das dämliche Zero-Covid-Pamphlet, informieren uns über den Gehalt aktueller Kirchenbücher, bzw. Bücher, die in christlichen Buchhandlungen heute zu finden sind. Wir reden über die versteckte Macht von Vergleichsportalen im Internet, das Fehlen von Biographien von Xi Jinping und wir klären die Frage, wie man über das Genie spricht, oder besser nicht.

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Wir lesen01/2021Schnelltests, Davos digital, Turnschuhe, Clubhouse, Philosophie verkehrt

Davos lag dieses Jahr nicht in der Schweiz, sondern im Digitalen, weshalb niemand hingeschaut hat. Wir aber doch: Macron hat was über Quantencomputer zur Pandemiebekämpfung gesagt, Merkel was über Lieferketten als Pandemieopfer und Ursula von der Leyen sprach übers Klima. Dass auch noch Pandemie ist, wollte sie nicht ganz gelten lassen. Sie ist angetreten für die großen Themen und blieb sich in dem Punkt treu. Wenn die Regierungschefs nicht mitziehen, klärt sie es eben mit den CEOs dieser Welt. Über diese neue Qualität von private-public-Partnerships war WEF-Chef Klaus Schwab natürlich hoch erfreut.

Aber warum ist eigentlich immer noch Pandemie? Klar, die Impfung braucht noch eine Weile, so lange müssen wir durchhalten. Aber was ist mit den Antigentests, die Covid-19 inzwischen so sicher detektieren wie die medizinischen Labore, die aber insbesondere dann auf die Krankheit hinweisen, wenn ansonsten niemand seine PCR-Maschine angeworfen hätte? Und: Wozu haben wir Christian Drosten und Sandra Ciesek, wenn deren Corona-Virus-Upate niemand versteht? Dort wird seit Monaten beschrieben, was Antigentests leisten können. Es wird Zeit, sie endlich einzusetzen.

Klar, wir reden auch über Clubhouse und machen uns zu Beginn ein paar Gedanken. Wir reden aber auch über Turnschuhe, über die sich sehr viele Menschen sehr viel mehr als nur Gedanken machen. 7000 Euro für ein paar Schuhe, nur weil sie etwas seltener sind als die übliche Massenware, das stellt uns vor ein paar Fragen. Wie bringt man eigentlich heute Kleidung an den Mann? Bislang waren doch die Frauen erstes Ziel der raffinierten Werbestrategen. Da hat sich einiges getan und wenn nach der Pandemie kein Schuhladen mehr aufmacht, liegt das auch am neuen Einkaufsverhalten und der ständigen Suche nach dem nächsten Happening. Zum Schluß versuchen wir uns an der gängigen Fernsehphilosophie und stellen fest: Man kann auch einfach das Gegenteil behaupten. Aufklärung hier, Abklärung da.

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Wir lesen01/2021Shenzhen, Neue Medizin, Henry Kissinger, Dreampolitik, Streik in Indien, moderne Innenstädte, Bob Dylan

Henry Kissinger ist sowohl Friedensnobelpreisträger als auch gefragter Kriegsorganisator. Seit Jahrzehnten mischt er die Insassen des Oval Office auf. Nun hat Bernd Greiner eine umfassende Biographie geschrieben, die alles im Detail enthält. Insbesondere Ausschnitte von Gesprächen die Richard Nixon als Präsident mit seinen Mitarbeitern führte, über die verhasste Presse, Soldaten deren Leben nichts bedeuten sollten und Willy Brandt, den alliierten Feind. Die Lektüre lehrt auch, dass der Wahnsinn nicht erst mit Donald Trump ins Präsidentenamt kam.

In ähnliche Kerbe schlägt Murtaza Hussain. Was wäre, wenn Trump zwar geht, das Verlangen der Wähler nach Fantasy-Politik aber bleibt? Donald Trump wollte nie Autokrat werden, da es seinen Wählern schon reichte einen zu spielen. Das Verlangen nach „extremen psychologischen Expieriences“ sei so gewaltig wie die Angst davor, desillusioniert zu werden. Dabei gilt es für beide Seiten: Die politische Realität ist viel weniger dramatisch, als die Legenden, die um sie gestrickt werden.

Gemeinsam gehen wir nach Shenzhen. Wolfgang Hirn hat ein Buch geschrieben, dass vor Sachwissen strotzt, aber dem es an politischen Einschätzungen mangelt. Wir stellen den naturwissenschaftlich-technischen Errungenschaften ihren politischen Schrecken gegenüber, die durch sie ermöglicht werden. Wolfgang berichtet noch zu Indien und dem angeblichen Ausverkauf bei Bob Dylan. Stefan greift die Frage von David Wallace-Wells auf, wie wir es nun mit der neuen Medizin handhaben, die uns schon am 13. Januar 2020 eine Impfung gegen Covid-19 verschaffte. Ihr gegenüber steht nämlich die Politik, die bis zum Jahreswechsel 360.000 Tote in Kauf nahm.

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