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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Freitag, den 26. Juni. Die große Debatte hat sich diese Woche endgültig auf wenige, sehr ausdauernde Köpfe verdichtet — und heute markiert einen echten Wendepunkt: Mit observer steigt im Wehrpflicht-Faden eine ganz neue Stoßrichtung in den Ring, und der lange Macht-Streit kippt sichtbar ins Persönliche.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist es weiterhin praktisch tot — die einzige Stimme der letzten Tage ist Björn-v4d unter der Social-Media-Verbot-Folge, der bitter mit der Verdrängungsgesellschaft abrechnet, "kindermord, völkermord ist alltag geworden", die "empörung ist ja gespielt immer groß, doch wirklich was dagegen tun, will diese gesellschaft ja schon nicht mehr". Bekannter Ton, keine neue Welle. Das Forum lebt fast vollständig vom Live-Salon-Thread zu "Lang lebe das Storytelling" und vom Wehrpflicht-Faden um Ole Nymoen. Neu und stark ist heute Falkys Einstieg im Storytelling-Faden mit seinem Bogen über den "Krieg der Narrative" — von Clara Matteis Austeritätskritik über strukturellen Antisemitismus bis zur Gramsci'schen Hegemonie —, für den Stefan persönlich dankt, "danke für den Hinweis und den guten Kommentar in Länge".

Zu den Kontroversen: Die wirklich neue Eskalationsstufe liegt im Wehrpflicht-Thread. observer dreht die ganze These des Stranges um und argumentiert, der angeblich übergriffige Staat habe dreißig Jahre lang "weggeschaut", die Wehrpflicht 2011 mitten im Afghanistan-Einsatz ausgesetzt — der jetzige Schwenk sei keine Eigenlust am Zwang, sondern "eine reaktion" auf Druck von außen, womit Ole und Simons Anti-Staat-Haltung "auf den falschen" ziele. JJ_Anon hält frontal dagegen, der Staat sei sehr wohl "der Ursprung beim Schmieden des gemeinsamen Interesses", und verliert am Ende sichtlich die Geduld, "Bitte hör auf mit den Unterstellungen, was für ein Quatsch". observer treibt ihn mit dem Vorwurf, er verwechsle die eigene "freie Entfaltung" mit dem, was sie von außen bedrohe — JakobB schließt den Faden dann mit einer großen Systematik, Ole und Simon seien "keine Pazifisten, sie sind Antimilitaristen und Antinationalisten". Parallel klingt der Macht-versus-Machtmissbrauch-Streit zwischen Flo, Ernst und JakobB hörbar aus: Flo benennt die Ermüdung selbst, man interpretiere "immer die eigene Auffassung" in seine These hinein, und reagiert auf dasKAPIT4Ls Vorwurf der "gegenseitigen Psychoanalysen" zugespitzt mit dem Hinweis auf "fehlende Therapieplätze" und "Therapien gegen Arroganz".

Zu den positiven Highlights: Trotz aller Schärfe bleibt der Ton bemerkenswert nobel, und das zeigt sich am schönsten in einer ganz privaten Geste: Ernst verabschiedet sich mit einem augenzwinkernden Auftritt ins Adlon-Kempinski, spaziert mit "der Herzensdame durch Berlin-Mitte" und lege "interessanten Menschen Rezeptideen ins Poesie-Album" — Flo wünscht ihm prompt und herzlich "eine wunderschöne Zeit in Berlin", Ernst dankt dem "guten Herz". Inhaltlich liefert observer das vielleicht ehrlichste Argument der Woche, wenn er betont, er stehe "nicht im gegenlager", teile "die meisten werte hier" und lege "den finger nur genau dahin, wo wir selbst nicht hinschauen" — und im Streit um Materialismus und Diskurs löst JJ_Anon die Spannung elegant mit dem Bild von Leibeigenschaft und Katholizismus auf, beides "bringt sich gegenseitig hervor", woraufhin Ernst anerkennend abbindet, der Verweis "sitzt". Und Falkys Beobachtung zum ÖRR, dass für die "nicht tiefergehend politisch gebildetete" Bevölkerung am Ende der Schluss bleibe, Sozialstaat und Migranten seien "für unserer Misere des Sparen müssens verantwortlich", greift Ernst sofort auf und dreht sie zur "quotenheischenden Kulturkampf-Arena" weiter.

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Das Bild der Woche hält: Ernst, Flo und JakobB sind die drei tragenden Stimmen, sprachlich klar unterscheidbar und durchgehend in echtem Dialog über Wehrpflicht-, Reemtsma-, Machtfrage- und Gegenmacht-Thread verteilt. Ernst bleibt der breitstreuende Vielschreiber mit den längsten Beiträgen — die "Gesetzgebungswerkstatt" und die ausgearbeitete Kampagnen-Idee "Gesetze gehören allen" sind eigenständige Langtexte ohne jedes Wiederholungsmuster. Im Wehrpflicht-Thread ist als technische Randnotiz der ältere observer-Doppelpost um 16:18 und 16:20 zu erwähnen, klar ein versehentliches Mehrfach-Absenden, kein koordiniertes Muster. dasKAPIT4L bringt mit seiner Kritik an den "persönlichen gegenseitigen Psychoanalysen" eine frische Außenstimme rein, JJ_Anon hält im Reemtsma- und Wehrpflicht-Faden konstant dagegen. Florentine ist in den Live-Quellen heute nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass Falky den Storytelling-Faden mit Mattei und Gramsci so dicht auflädt und dafür von Stefan ein Dankeschön bekommt, dass observer dem Wehrpflicht-Streit mit seiner Außen-Perspektive noch einmal eine ganz neue Spannung gibt, und dass der lange Macht-Streit trotz aller Ermüdung mit Ernsts Adlon-Abschied versöhnlich ausklingt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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