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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Sonntag, den 19. Juli. Auf YouTube ist die Juli-Ausgabe endgültig eingeschlafen, dafür trägt das Forum die Woche mit vier großen Denksträngen fast allein — und mit Flo mischt sich seit gestern in gleich zwei davon eine neue Stimme ein.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube kommt praktisch nichts Frisches mehr nach — der letzte substantielle Kommentar unter der Juli-Ausgabe stammt von michaelsonntag6792 und ist bloß ein nackter Timecode, "02:48:00", ohne weiteren Text. Das Forum ist die einzige lebendige Quelle: Vier Stränge laufen parallel — der Psychoanalyse-Disput, Flos Macht-Essay, der Gegenmacht-Organisierungsplan und der Sein-Faden zwischen Miki und Ernst. Neu ist, dass sich die Diskussionen zunehmend verschränken: Kybernetik, Verflixung und Phantombesitz tauchen jetzt querbeet in mehreren Threads auf. Insgesamt bleibt es die theorielastigste Forum-Phase seit Langem, während YouTube komplett in den Leerlauf geht.

Zu den Kontroversen: Der Psychoanalyse-Streit zwischen Miki und JJ_Anon ist gestern auf seinen argumentativen Höhepunkt gelaufen. JJ_Anon zieht jetzt systematisch Žižek als Kronzeugen heran — die Psychoanalyse wolle gar kein Leiden lindern, sondern sei "der einzige Diskurs, der diese Chance des Versagen mit einrechnet" —, und wirft Miki vor, dessen Ich-Auslöschung sei "pures Geschichtenerzählen und Dichten". Miki kontert mit dem Kreisel-Bild: Eine schizoide Psyche sei nicht starr, sondern "stabil wie ein Kreisel", hochdynamisch gerade in ihrer Abwehr — und lädt am Ende offen zum Weitermachen ein, notfalls auch, "uns ein bisschen gepflegt zu beleidigen". Neu dazugekommen ist Flo, der die Ausgangsfrage entschärft: Es gehe vielleicht gar nicht um die Antwort, sondern um "der zugrundeliegende Gedanke in der Offenheit ihn gedacht zu haben". Im Macht-Thread hakt Plattkofel weiter hartnäckig bei Flo nach, woher dessen unterstellte negative Konnotation von Macht komme — Flo präzisiert, er wolle sich schlicht "selbst als Akteur sehen der Macht bewusst anwendet".

Zu den positiven Highlights: Das Forum liefert diese Woche außergewöhnlich viel Substanz. Ein neuer Höhepunkt: Ernst legt im Gegenmacht-Strang nach dem Einzelgespräch-Leitfaden jetzt auch noch einen kompletten Ablaufplan für das Gründungstreffen nach — zwei Stunden, drei bis sieben Personen, mit der eisernen Regel, das Treffen ende "nicht mit einem Gefühl, sondern mit einem Kalender". Er selbst rahmt das ehrlich als "Probelauf", der erst noch beweisen müsse, ob die Theorie "Kontakt mit echten Klingeln" überlebt. Bemerkenswert versöhnlich löst sich der Syd-Faden: Nachdem Syd auffällt, dass "Kybernetik und Verflixung übrigens prima zusammen" passen, quittiert Ernst das mit einem gelösten Wortspiel, "Verflixt! – Warum bin ich nicht darauf gekommen?". Und im Sein-Thread ringen Miki und Ernst weiter offen um die Grenzen technologischer Manipulation — Ernst warnt vor synchronen "Massenaktivierungen von Neuronen" durch rohe elektrische Impulse, Miki verortet die "wahre Frontlinie zwischen Autonomie und totaler System-Integration". JJ_Anon steuert im Verflixungs-Faden noch einen klugen Bloch-Bezug bei, wonach Black Boxes einen "Abstand zur eigentlichen Produktionsweise" schaffen, in dem magisches Denken gedeiht. Auf YouTube liegt keine frische Substanz mehr vor.

Zum Kampagnen-Radar: Auf YouTube bleibt es endgültig ruhig — kein Mehrfach-Kommentierer, kein Burst, kein Copy-Paste, nur der isolierte Timecode-Post von michaelsonntag6792. Im Forum sind diese Woche Miki und Ernst weiter die klaren Vielschreiber, jetzt begleitet von Flo, der mit dem Macht-Essay und dem Psychoanalyse-Einwurf in zwei Strängen präsent ist. Das ist die vertraute breitstreuende Präsenz produktiver Einzelköpfe, kein koordiniertes Muster — die Threads verschränken sich inhaltlich, aber nicht personell auffällig. Bemerkenswert bleibt Ernsts Transparenz: Im Gegenmacht-Strang weist er seine bewegungssoziologischen Bezüge wie McAdam sauber aus, und im Macht-Thread benennt er Pestalozzi ausdrücklich als gedanklichen Absprungpunkt. Florentine ist auch diese Woche in den Live-Quellen nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass Ernst den Gegenmacht-Strang mit dem Gründungstreffen-Ablaufplan noch ein Stück konkreter macht und dabei selbst auf den Praxistest an echten Klingeln verweist, dass Miki und JJ_Anon ihren Psychoanalyse-Disput mit voller Wucht bis zur augenzwinkernden Beleidigungs-Einladung treiben, und dass Flo sich in gleich zwei Threads als neue Stimme einbringt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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