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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 27. Juli 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Montag, den 27. Juli. Der TERF-Sturm ist am Wochenende noch einmal in einer neuen Form zurückgekehrt — als Textwand — und daneben laufen die ruhigeren Theoriefäden weiter. YouTube meldet sich nur mit einem Schmunzler.

**Zur Grundstimmung:** Auf YouTube liegt heute genau ein Kommentar vor — Ron-go8cf hakt unter der jüngsten Salon-Vorgespräch-Folge einen Timecode ein, "29:04 auserkiesen ;)", ein spielerischer Wortfund, mehr nicht. Die Woche gehört also erneut ganz dem Forum. Dort hat TurtleTerf über Nacht das Register gewechselt: Statt der Finanzierungsthese schüttet sie jetzt im neuen Thread "Neusprech, Doppeldenk und die Große trans Schwester" seitenlange Joyce- und Orwell-Kaskaden aus, nummeriert von eins bis neun. Das ist die neue Eskalationsstufe gegenüber den Vortagen — nicht mehr Zank, sondern schiere Textmasse.

**Zu den Kontroversen:** Der zentrale Konflikt ist heute ein Formstreit über genau diese Textmasse. Florentine benennt ihn präzise als "Behauptungs-Dogpiling als Methode" und listet sieben konkrete Prüfsteine auf, auf die "keine Antwort" komme — "Erst dicke Hose, dann leere Hose. Wieder und wieder." Ernst baut daraus etwas Bemerkenswertes: einen regelrechten Testaufbau, um TurtleTerfs Text auf Gish-Galopp, Doublethink und Klüngelüberzeugung zu prüfen, mit ausdrücklicher "Entlastungsklausel" und einem "Spiegeltest", damit das Instrument "nicht schummelt". Bezeichnend ist TurtleTerfs Antwort auf Florentines Kernfrage, welche Beobachtung überhaupt zeigen könnte, dass jemand trans ist: "Keine. Es gibt keine tatsächlichen trans Personen." Damit legt sie selbst offen, was Florentine ihr die ganze Zeit vorhält. Neu und ruhiger ist ein zweiter Strang: Ermel fragt aufrichtig, "Wieso kann nicht jeder selbst entscheiden, was er sein will", und Ernst, Kompost und Lymi ordnen den ganzen Streit als Kulturkampf-Funktion ein — Kompost mit dem schönen Galilei-Descartes-Fund als Notiz an sich selbst.

**Zu den positiven Highlights:** Der intellektuell dichteste Faden bleibt der um Redecker und die Leihmutterschaft, und der hat sich am Wochenende noch vertieft. JakobB treibt Kompost zur schärfsten Differenzierung der Woche: Wie unterscheidet man "die geschäftliche Leihmutterschaft der Gegenwart und den historischen Erfahrungen von Sklavinnen in den USA"? Beide arbeiten das fair und hart aus, bis hin zu JakobBs Frage nach dem "möglichen Faschismus homosexueller Paare". Im Faschos-Thread bringt JJ_Anon Redeckers "wir sind alle manchmal Faschos"-Gedanken erneut klug zum Leuchten, diesmal über Dickens' "MOOR EEFFOC" und das Pferdemarkt-Schild. Und im Beschränktheits-Thread setzt Florentine die elegante Umkehrung, dass "vorhersehbares Verhalten zu kognitiver Beschränkung führen" könne — eine Rückkopplung. Bei den Milanović-KI-Fragen bleibt es nach Mikis und JakobBs Einwürfen vom Wochenende ruhig, keine neuen Wendungen.

**Zum Kampagnen-Radar:** Auf YouTube keine Indikatoren — ein einzelner, freundlicher Timecode-Kommentar von Ron-go8cf, kein Burst. Im Forum ist TurtleTerf klar der auffälligste Einzelakteur: Im Neusprech-Thread postet sie zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen des 26. Juli mehrere lange, durchnummerierte Blöcke hintereinander und legt bis in die Nacht zum 27. nach — ein klassischer Eröffner-Burst, jetzt in Essay-Form. Die am Freitag angedrohte zweite TERF-Welle ist weiterhin ausgeblieben; es bleibt bei diesem einen Account. Florentine — durchgängig so geführt — ist quer durch Neusprech-, Faschos- und Beschränktheits-Thread erneut die aktivste analytische Gegenstimme, unterstützt von Ernst, Flo und Plattkofel, die TurtleTerfs Kaskaden ruhig kontern. Auffällig ist noch, wie Plattkofel im Doxing-Nachgang den Recherche-Service übernimmt und Syd den Bearbeitungsverlauf der gelöschten Drohung nachweist. Keine Copy-Paste-Muster, keine koordinierte Aktion — ein einzelner, sehr produktiver Account gegen eine ruhige, geschlossene Runde.

Das war's für heute — schön, dass Ernst aus Florentines Dogpiling-Diagnose einen richtigen Testaufbau mit eingebauter Fairness gebaut hat, dass JakobB und Kompost die Leihmutter-Frage bis auf die Knochen freilegen, ohne persönlich zu werden, und dass Ron-go8cf dem YouTube-Feed wenigstens einen kleinen sprachlichen Fund schenkt. Passt auf euch auf, bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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