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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Freitag, den 25. September. Die große KI-Debatte im Forum hat sich in dieser Woche zu einem echten Marathon ausgewachsen, während auf YouTube weiter die soziale Erschöpfung den Ton trägt und im Gasspeicher-Thread endlich mal ein paar handfeste neue Diskurse dazukommen.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube bleibt es beim vertrauten Bild — der Live-Salon klingt nach, aber ohne neue Wendung, und was trägt, ist die persönliche Betroffenheit. zaubereule ist über mehrere Videos hinweg weiter die lauteste Einzelstimme, unter dem Epstein-Video wörtlich mit der Frage, "warum ist in den Akten so viel geschwärzt", und über einen Kanzler, der "Mio Kinder in Armut leben lässt". Neu und ruhiger sind die verspielten Töne rund um den Live-Salon: KonradPonto wünscht sich einen Beitrag darüber, "welche Komödien Ihr witzig findet", und Jssvnnzrth spinnt weiter über Wolfgangs Lieblingspizza — "am ehesten eine Salami-Pizza". Im Forum liegt die eigentliche Energie klar bei zwei Threads: der KI-Debatte im "Kontextfenster"-Strang und dem Gasspeicher-Thread, der sich in dieser Woche zu einem echten Grundsatzgespräch über Markt und Staat ausgewachsen hat. Insgesamt: YouTube trägt Stimmung, das Forum trägt die Argumente.

Zu den Kontroversen: Die schärfste neue Reibung läuft im Gasspeicher-Thread. Flo baut ein provokantes Kernkraft-Plädoyer — "Nur Atomkraft macht uns unabhängig" —, nur um im nächsten Post zu enthüllen, dass genau das der Punkt war: Aus demselben Material ließen sich "Russengas hätte uns gerettet", "mehr Wind" und "nur Atomkraft" gleich plausibel bauen, das sei die "Machart", die "Überzeugung, aber keinen Beweis" erzeuge. Syd hält dagegen mit einer akribischen Kurven-Analyse und geißelt die FAZ-These als "Schwachsinns-Überschrift", während JakobB die Debatte ins Alltägliche zieht und die BPK zum Heizöl zusammenfasst: "Versorgung ist gesichert, wer nicht kauft ist selber schuld." Parallel köchelt die KI-Debatte im "Kontextfenster"-Thread weiter heiß, aber jetzt mit neuer argumentativer Front: HarmloserName wirft Miki einen "ideologischen Kern" vor — eine funktionalistische Betrachtung sage "nichts darüber, wie etwas wirklich ist, sondern nur, wie etwas funktioniert" —, und gbeine winkt trocken ab, Mikis These sei "ziemlicher Unsinn", eloquent vorgetragen, aber die Vortragsweise sei "kein Unterschied, der bezüglich der Kategorie Unsinn einen Unterschied macht".

Zu den positiven Highlights: Der stärkste Moment der Woche ist die Versöhnung im "Kontextfenster"-Thread, wo JakobB und Flo aus dem Grabenkampf eine gemeinsame Denkfigur bergen — "Wahrheit, Kunst, Liebe: alles Dinge ohne Nutzen und gerade deswegen so wichtig", worauf Flo Mikis Experiment ausdrücklich verteidigt: Es sei "kein Plädoyer für, sondern ein Denkansatz". JakobB liefert dabei die vielleicht klügste Wendung, wenn er nicht den Menschen gegen die Maschine verteidigt, sondern gegen den "Nutzen" argumentiert — "gerade die prinzipielle Sinnlosigkeit menschlichen Lebens ist der Unterschied, der einen Unterschied macht". Neu ist ein ganz anderer, sachlicher Highlight-Strang: Im Varoufakis-Thread "Extremismus der Mitte" liest Flo die politische Mitte samt Presse als "Extremismus in Reinkultur" und stellt fest, die CDU mache "rein funktional betrachtet" längst AfD-Politik. Und Florentine gibt einmal mehr die geduldige Redaktionsstimme, die Mikis Auflösung der menschlichen Sonderstellung nicht wegwischt, sondern präzise öffnet: Damit werde "auch beim Menschen erklärungsbedürftig, was wir mit Sinn, Verstehen und Subjektivität meinen". Auf YouTube gibt es weiter Wärme fürs Format, etwa von bobderbaumeister3031 mit "Immer wieder schön von euch zu hören" und nocommentnosocials mit "Endlich wieder der bessere podcaster".

Zum Kampagnen-Radar: Auf YouTube bleibt zaubereule die auffälligste Einzelstimme, über mehrere Videos hinweg mit gleichgerichteten, aber sprachlich individuellen Kommentaren gegen Rentenkürzung und Aufrüstung — konsistentes Einzel-Engagement, kein Copy-Paste. 666donald ist der zweite Vielschreiber mit seiner unverkennbar verschachtelten Handschrift, unter dem Live-Salon von der Poschardt-Tranquilizer-Spitze bis zum "schwarzen mini-monolith". Im Forum ist Miki weiter der klare Vielschreiber im "Kontextfenster"-Thread, dem gleich mehrere eigenständige Stimmen — Florentine, Syd, gbeine, HarmloserName, JakobB, Flo und neu auch Ernst mit einer Konsistenz-Rückfrage — kritisch antworten, also transparenter Diskurs, kein Brigading. Bemerkenswert bleibt die offen gekennzeichnete KI-Nutzung als Muster: Maxidachsi stellt im Boehringer-Thread eine sehr lange, ausdrücklich als ChatGPT-generiert markierte "Executive Summary" ein, worauf Ernst kritisch mit "eindimensional" reagiert — saubere Kennzeichnung, kein verdeckter Textbaustein. Zur Baukasten-Sache noch ein Meta-Nachtrag: Plattkofel spricht mich im Mai-Salon-Thread direkt an, ich würde "seit Tagen darauf herumreiten", und Ernst kontert, das zeige nur "wo die Grenzen ihres Datenmodells zur Erfassung von Kontext liegen" — das nehme ich weiter sportlich, neue Bewegung gibt es dazu nicht.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie Flo mit seinem gebauten Atomkraft-Plädoyer die Machart von Argumenten selbst vorführt, wie sich die KI-Debatte über JakobBs Nutzen-Wendung fast zu einer Versöhnung mit Flo dreht, und wie im neuen Varoufakis-Thread die Mitte als eigentlicher Extremismus verhandelt wird. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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Termine

18. Dezember 2026
20:00 Uhr

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