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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Freitag, den 30. Oktober. Die Monatsende-Folge ist gerade erst draußen, und während das Forum seine große KI-und-Kultur-Debatte diese Woche in eine ganz neue, deutlich schärfere Phase getrieben hat, ist auf YouTube bislang auffällig wenig los.

Zur Grundstimmung: Der Precht-Thread bleibt das pulsierende Zentrum, aber er hat sich diese Woche endgültig vom Buch gelöst und ist zu einer Grundsatzdebatte über Soll und Ist, politische Forderungen und Handlungsfähigkeit gekippt. Neu und bemerkenswert: Syd hat das Ronzheimer-Transkript nachgereicht, in dem Precht die Demenz seines Vaters mit dessen Corona-Impfung verknüpft, und liefert dazu den biografischen Fund, dass Precht Senior als Krups-Industriedesigner die legendäre Coffina-Kaffeemühle aus "Alien" und "Zurück in die Zukunft" gestaltet hat — "Zeit und Muße sind oft eine Frage der Prioritätensetzung". Kokosmilch hat seinen diktierten Sauerteig-bis-Bernini-Essay vom Wochenanfang um die These erweitert, KI sei in der "Endstufe des Kapitalismus nur ein weiterer Sargnagel", und setzt Welzers "gute Orte" und Rosas "Resonanz" dagegen. Im Rom-Thread hält Flos Beobachtung, Precht zeige "einen Wimpernschlag gegenüber ewiger Planung", weiter nach. Auf YouTube liegt diese Woche schlicht kein Material vor — der Kanal trägt gerade nichts bei, das Forum macht die ganze Arbeit allein.

Zu den Kontroversen: Die Miki-gegen-JakobB-Schlacht um die Frage, ob man Precht mit Luhmann schlagen darf, ist diese Woche zum Stillstand gekommen — Miki hat mit einer langen Replik über "rhetorische Ausweichmanöver" nachgelegt, JakobB hat geantwortet, er werde "nicht schlau" aus Miki und zweifle, ob "Folgekommunikation stattfinden kann", danach ist Miki aus dem Thread verschwunden. Die eigentliche Eskalation der Woche läuft neu zwischen Syd und dem Duo Flo und JakobB: Aus der Bildungs- und Armutsdebatte ist ein regelrechter Lagerkampf um die Frage geworden, ob man überhaupt politische Forderungen stellen muss. Flo formuliert seine Position, eine "Handlungsanweisung kann sich nur an mich selbst richten", woraufhin Syd ihm wörtlich "eine völlig unpolitische Grundhaltung" vorwirft, die ihn "ungemein langweile", und nachsetzt, wer "noch nicht mal hier" Position beziehe, tue das "draußen sicher auch nicht". JakobB stellt sich demonstrativ an Flos Seite an die Bushaltestelle und wirft Syd vor, dessen Gedankenspiele liefen immer darauf hinaus, "wie eine Welt aussähe, in der Syd der Bestimmer wäre". Es wird persönlich: Flo nennt Syd "ganz schön übergriffig", Syd antwortet mit "Ich zünde den Bus an, in dem wir sitzen" und einer Fotostory über angebliche Agents Provocateurs in Metz — worauf JakobB mit einer eindringlichen Castortransport-Anekdote und der Warnung vor "Gratismut im Internet" kontert.

Zu den positiven Highlights: Trotz der Schärfe gibt es diese Woche ungewöhnlich dichte, kreative Beiträge. Ernst hebt die Debatte mehrfach auf eine ruhigere Ebene — er schlägt vor, die LLM als "Dreiergespräch" aus These, Gegenthese und eigenen Einwänden zu nutzen, und fragt im Kulturförderungs-Strang grundsätzlich, wofür Steuergeld eigentlich da sei, für "Rosas Resonanz und Welzers schöne Orte". Ermel steuert im selben Thread eine kenntnisreiche kleine Lesehilfe zu Banks' "Kultur"-Zyklus bei, erklärt geduldig, dass "Use of Weapons" mit seinen zwei gegenläufigen Zeitsträngen anspruchsvoll, aber lohnend sei. Als die Debatte sich gegen Ende in Soll-Ist-Spiralen verliert, bricht eine herrliche kleine Anti-Witz-Runde aus — Flo liefert den Gassenhauer der Woche: "Sitzt ein Linienbus im Baum und strickt. Kommt die Polizei und sagt runter vom Baum! Sagt der Linienbus, wieso ist doch noch nicht 5." Und TauchenIstRoetlich bringt im neuen "Brain Fry"-Thread einen rohen, sehr echten Moment: Seine Firma baue trotz "best year ever" zehn Prozent der Belegschaft ab, sein Fazit — "FICKT EUCH, WICHSER!!!".

Zum Kampagnen-Radar: Das auffälligste Verhalten ist auch diese Woche keine Koordination, sondern schiere Diskussionswut im Precht-Thread — JakobB ist mit Abstand der Dauerläufer mit weit über zwanzig langen Repliken über die ganze Woche, dicht gefolgt von Flo, Lymi und Syd, die alle in hoher Taktung mitziehen. Bemerkenswert transparent bleibt der offene Umgang mit KI im Thread selbst: Kokosmilch deklariert seine Essays als "rein diktiert und sprachlich geglättet" auf dem Arbeitsweg, Syd räumt ein, eine KI habe seiner Precht-Interpretation widersprochen ("Das steht so nicht im Buch!"), und Miki wie Syd arbeiten erkennbar mit LLM-generierten Strukturen — im KI-Thema selbst trägt das eine gewisse Ironie. Syd ist der einzige, der konsequent Primärmaterial aus dem Buch und den Interviews einbringt, und er streut mit der Metz-Fotostory und dem Žižek-Fund im September-Salon-Thread mehrere Fäden parallel. Auf YouTube liegt diese Woche kein Material vor, deshalb hier keine Beobachtungen zu Bursts oder Mehrfach-Kommentierern. Keine Copy-Paste-Muster, kein Brigading.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie der Precht-Thread von der Luhmann-Methodenfrage über Armut und Bildung bis zu Syds brennendem Bus und JakobBs Castor-Erinnerung eskaliert, wie Ernst und Ermel mitten im Getümmel ruhige, lesenswerte Ankerpunkte setzen, und wie Flos Linienbus-Witz die festgefahrene Soll-Ist-Spirale für einen Moment auflöst. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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Termine

18. Dezember 2026
20:00 Uhr

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