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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Donnerstag, den 11. Juni. Die Kubicki-Welle auf YouTube ist endgültig durch, und im Forum haben sich die großen Theorie-Stränge über Nacht zu echten Schlussstücken verdichtet — der Gegenmacht-Thread ist heute fast schon eine kleine Klassenkampf-Vorlesung.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube kommen die wertschätzenden Stimmen wieder stärker durch — dienaechstegesellschaft schreibt schlicht "Bester deutscher Podcast", TodayTestfbsfbsfbs lobt warm, der Podcast biete eigene Analysen, "manchem stimme ich zu, manches regt mich zum nachdenken an und manchem widerspreche ich". Neu und schön pointiert ist Gonzo_Usul, der gegen Sloterdijks These vom zivilisierenden Lesen einwendet, "Adolf Hitler auch ein großer Leser war" — entscheidend sei, was man lese und welche Schlüsse man ziehe. Im Forum trägt der Gegenmacht-Thread die Hauptlast, und er ist gegenüber gestern noch eine Stufe weitergedreht: Aus der Akteurs-Frage ist eine ausgewachsene Debatte über Klassenkampf, den Staat als Stabilisierungsinstanz und die innere Differenzierung der Unternehmerklasse geworden. Der große KI-Verständigungs-Thread um johannes9 und Max_Hampel klingt mit johannes9' monumentalem Erklärtext zu neuronalen Netzen aus.

Zu den Kontroversen: Die schärfste Front bleibt der Gegenmacht-Thread, wo JakobB Ernst weiter frontal vor sich hertreibt. JakobB zerlegt Ernsts Drei-Töpfchen-Modell mit beißendem Spott — "Parteien sind Zivilgesellschaft, außer sie sind es nicht. Medien sind Zivilgesellschaft, außer sie sind es nicht" — und zieht beim Mindesthaltbarkeitsdatum die Reißleine, eine Meta-Frage zu Myanmar-Konglomeraten "überschreitet meine Humorgrenze, da bin ich leider raus". Ernst kontert, JakobB zitiere "jeden erwähnten Punkt ungenau", und fragt zurück, ob er wolle, dass "jemand anderes für Dich Ordnung" bringe. Neu und vermittelnd dazwischen tritt Kompost, der mit einem präzisen Bild die Debatte sortiert: Wer den Staat als Adressaten des Klassenkampfs nimmt, spiele "gegen eine Bande, die sich genau zwischen dir und deinem Gegner befindet", und das nenne man "ein Eigentor". Im Claude-Mythos-Thread klingt Florentines Anthropic-Demontage aus, ohne neue Wendung. Auf YouTube widerspricht johanneskoch4525 den Hosts grundsätzlich, er schalte regelmäßig ab, weil er "insb. Stefans überheblichen Ton sehr unangenehm" finde und beide oft "overconfident" seien — mit der Erinnerung an die Kai-Wegner-Tennismatch-Besprechung als Beleg.

Zu den positiven Highlights: Das eindrucksvollste Stück Forum-Arbeit liefert heute der Schlagabtausch zwischen Kompost und Ernst, der bei aller Schärfe gegenüber JakobB hier vorbildlich wertschätzend bleibt. Kompost lobt Ernsts Beitrag ausdrücklich — "das ist eine richtig tolle Antwort, dankeschön" — und teilt dann eine eindringliche Ruhrgebiets-Anekdote über sein Viertel mit sechs arabischen Supermärkten, der Moschee in der früheren Eckkneipe und dem Kinderlachen auf der Straße, gegen das Klischee vom "Nazi-Viertel". Ernst räumt seinerseits offen einen "handwerklichen Fehler" ein und entfaltet daraufhin, dass Klassenkampf eben nicht nur vorm Fabriktor stattfinde, sondern auch im legislativen und im Deutungsraum. Flo bündelt das Ganze noch einmal zu seiner Sachsen-Anhalt-Frage, warum die linke Analyse "nicht greift" — und gibt Kompost recht, inhaltlich gebe es "nichts zu kritisieren". Auf YouTube dankt sseeggooll knapp "vielen dank für eure wertvolle arbeit", ThePHundF jubelt "Hammergut, Danke für die Einordnungen". Ein schöner Theorie-Moment ist außerdem Niko, der im KI-Thread den GegenStandPunkt-Text einbringt, und observer, der ihm fein widerspricht: Der Text sei "vielleicht sogar zu gut", weil er nicht frage, "was wird möglich für leute, die vorher keinen zugang hatten".

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Ernst trägt den Gegenmacht-Thread mit einer Vielzahl langer, eigenständig argumentierender Beiträge, durchgehend im Dialog mit Kompost, JakobB und Flo — das ist intensiver Sachstreit, kein Muster. Flo bleibt mit mehreren Posts dauerpräsent als treibende Gegenstimme, sprachlich klar erkennbar. Florentine kommt im Mai-Enzyklika- und im Claude-Mythos-Thread mit einzelnen Posts, durchweg belegunterfüttert und im Dialog — kein Brigading. johannes9 und Max_Hampel tragen den KI-Thread mit je einem ausführlichen Beitrag in ruhigem Tempo weiter. best_mint_in_town setzt seine metatextuelle Olivia-Linie fort und beschwert sich, er werde "blind oder ich werde zensiert" — das bleibt die bekannte, harmlose Selbstironie, heute aber mit zwei Posts dichter als zuletzt. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass der Gegenmacht-Thread mit Ernst, Kompost, Flo und JakobB zu einer so dichten Klassenkampf-Debatte gereift ist, dass Kompost seine Ruhrgebiets-Anekdote gegen das Nazi-Viertel-Klischee einbringt, und dass johannes9 seinen großen KI-Erklärtext zu einem Abschluss bringt.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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