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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Samstag, den 25. Juli. Auf YouTube bleibt es ruhig, dafür ist das Forum diese Woche ein einziger Brennpunkt: Der TERF-Konflikt hat seinen bittersten Höhepunkt erreicht, ist aber gestern regelrecht implodiert — und aus der Redecker-Debatte ist eine echte theoretische Auseinandersetzung geworden.

**Zur Grundstimmung:** Auf YouTube liegt nur ein einzelner, aber substantieller Kommentar vor — Lenny-zn8hn unter der Juni-Ausgabe, der euch zur Schuldenbremse widerspricht und aus eigener Erfahrung schreibt, nach der Ausbildung im öffentlichen Dienst rausgeflogen zu sein, mit dem bitteren Nachsatz "Stundenlohn dank 0h pro Woche rechnerisch unendlich hoch. Danke." Im Forum ist die spannendste neue Bewegung, dass Redeckers Faschismusmodell aus dem Juni-Salon nicht mehr nur angewendet, sondern grundsätzlich zerlegt und verteidigt wird — die Community streitet jetzt über das Werkzeug selbst, nicht mehr nur mit ihm. TurtleTerf hat sich gestern Abend mit "erst Mal Ciao!" verabschiedet, samt der Drohung, "mit einem Haufen anderer Terfs" den Server zum Absturz zu bringen.

**Zu den Kontroversen:** Der TERF-Streit ist gestern komplett eskaliert und dann zerbrochen. Im Finanzierungs-Thread droht TurtleTerf Florentine offen — "sonst sind die Screenshots gleich bei der online Polizeiwache hochgeladen" —, postet nach eigener Aussage Florentines Arbeitgeberdaten und löscht sie wieder; Kokosmilch und später Kompost benennen das als Doxing. Daraus wird im Thread "Alles Faschos außer Mutti (und Eva)" ein grundsätzlicher Konflikt darüber, ob der Fascho-Vorwurf überhaupt trägt: Syd fordert wiederholt einen Beleg fürs Doxing — "Wenn der Vorwurf im Raum steht, muss er überprüfbar sein" —, während Kompost in einem langen, sichtlich erschöpften Beitrag erklärt, warum er und Florentine "diese Auseinandersetzung skippen": TurtleTerf signalisiere schon über den Usernamen ideologische Nähe, das sei "als wäre ein Typ in unsere Kneipe stolziert, der ne schwarze Sonne auf die Stirn tätowiert hat". Ernst mahnt vermittelnd, jeder solle "seine Argumentationslinie selbst sachlich entfalten", während Florentine irgendwann abwinkt: "Das ist hier kein KI Prompt. Die Antworten kannste Dir selbst erarbeiten." Auf YouTube gibt es hierzu nichts.

**Zu den positiven Highlights:** Der intellektuelle Höhepunkt der Woche ist die Redecker-Metadebatte. Syd baut im Faschos-Thread eine saubere Spiegelung: Dasselbe Schema aus Überlegenheit, Phantombesitz und Liquidation lasse sich auch auf die Impfpflicht-Debatte legen, also tauge die "Trinität" nicht zur strukturellen Analyse — er landet bei Reemtsma, der Faschismusbegriff sei "wechselseitige Vergewisserung affektiver Zusammengehörigkeit". Flo setzt den luzidesten Gedanken dazu: Das Modell liefere "keine Erkenntnis über den Text, sondern importiert eine beim Publikum bereits vorhandene Plausibilitätsstruktur". Florentine kontert das ernsthaft und stark — die verkürzte Dreierformel sei unzureichend, aber die Richtungsanzeige komme "aus der materiellen und historischen Analyse", worauf Syd wiederum einwendet, auch diese vier Fragen seien "kein neutraler Kompass, sondern selbst bereits eine politische Vorentscheidung". Das ist die Kontroverse der Woche auf Augenhöhe. Daneben glänzt der Beschränktheits-Thread: JakobB bringt frischen Wind mit seiner Skepsis gegenüber dem "Comeback von freudomarxistischen Faschismusbearbeitungen", und JJ_Anon verteidigt Redeckers "wir sind alle manchmal Faschos"-Pointe klug über das Bild vom Pferdemarkt-Schild "Plünderer werden erschossen".

**Zum Kampagnen-Radar:** Auf YouTube keine Indikatoren — ein einzelner, getragener Kommentar von Lenny-zn8hn, kein Burst. Im Forum ist die Lage anders: TurtleTerf war der auffälligste Einzelakteur und hat mit der Abschiedsdrohung, "Vielleicht komme ich ja mit einem Haufen anderer Terfs und bringe den Server zum Absturz", erstmals offen ein koordiniertes Nachrücken angedeutet — Kompost warnt ausdrücklich, TurtleTerf sei vermutlich "nicht die einzige, die hier mitliest". Das ist die klarste Brigading-Andeutung der Woche, bislang aber ohne sichtbare zweite Stimme. Florentine ist quer durch drei Threads die aktivste Gegenstimme — analytisch in der Redecker-Debatte, kämpferisch im Fascho-Streit. Neu ist Komposts Doppelrolle: langer Aufklärer zu TERF-Dynamiken einerseits, andererseits selbst pointiert im Kompost-übers-Es-Faden. Miki und Ernst bleiben die vertrauten Vielschreiber. Keine Copy-Paste-Muster, aber die persönliche Eskalation und die Server-Drohung um TurtleTerf sind klar erwähnenswert.

Das war's für heute — schön, dass Lenny-zn8hn den YouTube-Feed mit einem ehrlichen Einwand belebt, dass Syd, Flo und Florentine über Redeckers Faschismusmodell so hart und zugleich so präzise streiten, dass daraus echte Erkenntnis wird, und weniger schön, dass ein Themenstreit im Forum in Drohung und Doxing gekippt ist. Passt auf euch auf, bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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