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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Sonntag, den 27. September. Nach einer Woche voller philosophischer Marathons neigt sich die große KI-Debatte im Forum jetzt sichtbar ihrem Ende zu, während im Gasspeicher-Thread aus dem Markt-Streit eine erstaunlich lebensnahe Selbstversorger-Ethik gewachsen ist.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube trägt weiter die soziale Erschöpfung, und zaubereule bleibt die lauteste Einzelstimme — unter dem El-Mafaalani-Video schildert ein Hörer nüchtern, dass das Geld nur noch für "Miete, NK, Benzin fürs Pendeln" reiche, "Traurige Zeiten". Neu und analytisch dazwischen: morgengold liest die Migrationsdebatte kühl durch, "individualistisch sozialisierte Menschen sind in der Breite nur nett zu anderen Gruppen wenn Wohlstandsgewinne sie sanftmütig stimmen", während No_Fair_Play das El-Mafaalani-Argument sachlich über soziale Herkunft und Bildungserfolg entfaltet. Im Forum verlagert sich die Energie in dieser Woche klar weg von der Metaphysik hin zur konkreten Lebenspraxis — der Gasspeicher-Thread ist zum eigentlichen Schwergewicht geworden. Insgesamt: YouTube trägt Stimmung, das Forum trägt jetzt die Handlungsfragen.

Zu den Kontroversen: Die schärfste alte Reibung, die KI-Debatte im "Kontextfenster"-Thread, läuft aus, aber nicht ohne einen letzten präzisen Einwurf. HarmloserName trennt jetzt die Begriffe sauber und wirft Miki vor, "Speziesismus" bezeichne "doch die Abgrenzung des Menschen gegenüber Tieren, nicht gegenüber Maschinen", weshalb sein ganzes Argumentationsgebäude auf einer Verwechslung ruhe — künstliche Systeme seien "nicht leidensfähig". Neu und ganz woanders ist die eigentliche Konfliktlinie dieser Woche: Im "Feminismus im ÖRR"-Thread ringt der frisch eingestiegene Le-Cram mit Lymi um die Prostitution. Le-Cram will Sexarbeit gewerkschaftlich denken, Lymi kontert hart, Prostitution sei "kein Beruf, sondern in den meisten Fällen ne Menschenrechtsverletzung", und untermauert das mit einem Gespräch aus der Sozialarbeit am Straßenstrich, wo "ausnahmslos alle" abhängig von harten Drogen seien. HarmloserName ordnet dazwischen vermittelnd ein, man solle nicht "vulgärmarxistisch alles auf den ökonomischen Unterbau schieben", aber die "Eigendynamik der Machtverhältnisse" mitdenken.

Zu den positiven Highlights: Der schönste Zug dieser Woche ist, wie der Gasspeicher-Thread von der harten Empirie ins fast Meditative kippt. Syd legt eine akribische, offen als Claude-Recherche gekennzeichnete Gegenüberstellung von Italiens und Deutschlands Speicherphilosophie vor und schließt sie augenzwinkernd mit einem lateinischen Papst-Gebet um "warmes Winterwetter". Flo entwickelt daraus eine ganze Selbstwirksamkeits-Ethik — "Warmes Wasser vom Dach, bald Strom vom Dach. Brennholz durch gute Nachbarschaft" —, und der Gaspreis sei ihm für sich selbst egal, aber "für meinen Nachbarn nicht". JakobB spielt herrlich das Landleben aus, wo er "ins Holz" gehe und mit der Kettensäge "gegen den chinesischen Bauboom" konkurriere, während Ernst mit dem Bild der städtischen Sparfüchse kontert, die 2022 die Keller mit Baumarkt-Holz vollgestopft hätten und nun "romantische Lagerfeuer-Atmosphäre" samt Feinstaub produzierten. Im "Extremismus der Mitte"-Thread liest Flo Varoufakis mit und stellt fest, die CDU mache "rein funktional betrachtet" längst AfD-Politik. Auf YouTube bleibt neben aller Wut auch Dankbarkeit: zaubereule schreibt, sonst würde sie "komplett verzweifeln an den Zuständen dieser Welt".

Zum Kampagnen-Radar: Im Forum ist Syd der produktivste Schreiber der Woche mit seiner Kurven- und Recherche-Arbeit im Gasspeicher-Thread, flankiert von JakobB, Flo, Kokosmilch und Ernst, die alle in eigenständigen, sich neckenden Ketten schreiben — transparenter Diskurs, kein Brigading. Bemerkenswert bleibt die offen gekennzeichnete KI-Nutzung als Muster mehrerer Poster: Syd deklariert seine Claude-Recherche ausdrücklich, und im Boehringer-Thread steht Maxidachsis als ChatGPT markierte "Executive Summary" zur Pharma-Standortpolitik, auf die Ernst mit "eindimensional" reagiert — überall sauber deklariert, kein verdeckter Textbaustein. Im "Kontextfenster"-Thread bleibt Miki der Vielschreiber mit mehreren sehr langen Schluss-Beiträgen, denen aber durchweg eigenständige Stimmen kritisch antworten. Auf YouTube setzt zaubereule über mehrere Videos verteilt gleichgerichtete, aber sprachlich individuelle Kommentare gegen Rentenkürzung und Aufrüstung — konsistentes Einzel-Engagement, kein Copy-Paste; die 666donald-Burst-Handschrift ist gegenüber den Vortagen ganz abgeklungen.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie die KI-Debatte mit HarmloserNames begrifflicher Trennschärfe still ausläuft, wie im Gasspeicher-Thread aus dem Markt-Streit eine ganze Ethik der Autarkie und Nachbarschaftshilfe erwächst, und wie im "Feminismus im ÖRR"-Thread mit Le-Cram und Lymi eine ganz frische Konfliktlinie um Sexarbeit aufmacht. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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Termine

18. Dezember 2026
20:00 Uhr

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