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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 30. Juli 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Donnerstag, den 30. Juli. Der große TERF-Faden hat gestern noch einen langen, hitzigen Nachschlag bekommen — und diesmal ist es ein echter Themenwechsel, der die Runde beschäftigt: die medizinische Relevanz von Geschlecht. Auf YouTube bleibt es dünn, aber es gibt einen substantiellen Neuzugang.

**Zur Grundstimmung:** Auf YouTube meldet sich h1j5dd9j unter der Wokeness-Folge gleich zweimal binnen sechs Minuten mit Lektüretipps — al-Gharbis "We Have Never Been Woke" und der Hinweis auf linke Medien wie "Sublation Media, Compact Magazine, Theory Underground". Das ist der einzige inhaltliche Impuls im Feed. Im Forum hat sich der Neusprech-Thread nach TurtleTerfs Abgang zu etwas Neuem gedreht: Es geht jetzt um Gendermedizin und die Frage, ob der Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde medizinisch überhaupt etwas bedeutet. Der Ton kippt dabei streckenweise vom Sachlichen ins sehr Persönliche — vor allem zwischen Florentine und Syd.

**Zu den Kontroversen:** Zwei Reibungslinien beherrschen den Tag. Erstens der Gendermedizin-Streit: Syd liefert einen ausführlichen KI-gestützten Beitrag über geschlechtsspezifische Unterschiede — Zolpidem-Dosierung, Herzinfarkt-Diagnostik, Unterrepräsentation von Frauen in Studien — und schließt, ein "Kompost-Ansatz", der Unterschiede leugne, sei ein "Rückschritt". Florentine kontert präzise: Der Geburtseintrag sage nichts über Organe, Hormonstatus oder Medikation, medizinisch relevant seien "die tatsächlichen Gegebenheiten", nicht "ein Buchstabe, den ein Arzt vor Jahrzehnten aufgrund äußerer Genitalien an das Standesamt gemeldet hat". Zweitens die Männer-können-gebären-Frage: Kompost verweist auf die Doku "Seahorse" und den Fall Freddy McConnell, Syd hält dagegen, McConnell sei "biologisch eine Frau" gewesen — worauf Kompost trocken kontert: "Niemand ist bei Geburt ein Mann." Dazwischen läuft die zähe Motte-Bailey-Debatte zwischen Ernst und Florentine weiter: Ernst hält seinen Hinweis für eine "strukturelle Erscheinungsform", Florentine wirft ihm vor, er wolle es "zugleich getan und nicht getan haben".

**Zu den positiven Highlights:** Trotz aller Schärfe ist der medizinische Faden der erhellendste des Tages, weil er endlich um eine Sache statt um Personen kreist. Plattkofel bleibt der nüchterne Erklärer — er ordnet den Geburtseintrag historisch ein ("Identifikation und Unterscheidung von Personen", Rechtsanwendung, Statistik) und verortet Laborwerte und Tumormarker klar "in der Patientenakte, nicht im Personenstandsregister". Kompost bringt seinen Standpunkt schließlich versöhnlich und im schönsten Kölsch auf den Punkt: Er will den Fortschritt der Gendermedizin nicht zurückdrehen, sondern "konsequent zu Ende denken" — sein Körper unterscheide sich "von jedem anderen menschlichen Körper", und die Frage sei, ob es nicht "eine produktivere Sortierung" als die alten Kategorien gäbe. Auf die Frage nach seinem Geschlechterabolitionismus antwortet er entwaffnend ehrlich: "Nicht sehr", er betreue nur sein "Neffen*Nichtenkind" geschlechtsoffen. Und Plattkofel ist es auch, der am Ende die Temperatur misst: "Kann es sein, dass euer sachlicher Diskurs sich in einen persönlichen Disput verwandelt hat?"

**Zum Kampagnen-Radar:** Auf YouTube ist h1j5dd9j ein Doppel-Post binnen sechs Minuten, aber inhaltlich getragen — kein Brigading. Im Forum bleibt TurtleTerf verschwunden, die angedrohte zweite TERF-Welle ist endgültig ausgeblieben. Das auffällige Muster des Tages ist zwischenmenschlich, nicht koordiniert: Florentine und Syd geraten mehrfach hart aneinander, mit Spitzen wie Sylds "die nächste Syd-Show" (von Florentine über sich selbst gedreht) und Florentines "Geh mir nicht auf den Sack". Syd insistiert, Kompost solle antworten, "NICHT DEINE", worauf Florentine trocken auf die Unmöglichkeit verweist, für andere zu sprechen. Die KI-Nutzung bleibt Dauerthema und Reibungsfläche — Syd fährt mehrere Claude-Belege auf, Florentine hält an "selber lesen" fest. Auffällig ist die Burst-Dichte: Florentine und Syd posten am Vormittag des 29. im Minutentakt gegeneinander. Keine Copy-Paste-Muster, keine externe Koordination — das ist ein hausgemachter Zweikampf, kein Brigading.

Das war's für heute — schön, dass sich aus dem TERF-Nachhall eine echte Sachfrage geschält hat, dass Plattkofel den medizinischen Streit zweimal geerdet hat und am Ende auch noch die Metronomfrage nach dem Ton stellt, und dass Kompost seinen Standpunkt am Schluss so gelassen und rheinisch gelöst vorträgt. Passt aufeinander auf — der Ton darf ruhig wieder eine Spur freundlicher werden. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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