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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 15. Juni 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Montag, den 15. Juni. Mit der neuen Folge "Öffentliche Kunstfreiheit" vom Wochenende kommt frischer Wind, und der große Gegenmacht-Thread ist über Nacht aus seiner Erschöpfung heraus noch einmal in eine ganz neue Richtung gekippt — Flo führt seinen Würde-Begriff jetzt erstaunlich konkret bis in die Mechanik von Werbung und Marketing hinunter.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube kommt die warme Resonanz auf die Maifolge weiter durch — MarcelBruse fragt schlicht "Wieso seid ihr so gut?" und kündigt an, "ab jetzt schaue ich regelmäßig rein", sseeggooll dankt für "eure wertvolle arbeit". Im Forum hat sich der Gegenmacht-Thread vollends von der Hebelketten-Praxis gelöst und kreist nun um Flos psychologische Grundierung: Ein Gespräch lebe von "Sympathie, Empathie, Vertrauen" und vor allem "Überraschung oder sogar Irritation", und genau das müsse eine linke Bewegung sich zunutze machen, ohne in eine "linke Bildzeitung die auf Verblödung setzt" zu kippen. Daneben sind gleich zwei neue Threads aufgemacht: dasKAPIT4L verweist auf einen Morozov-Leitartikel in Le Monde diplomatique zum "neuen Staatskapitalismus" und bittet die Hosts, die Machtfrage daran noch einmal aufzugreifen, und im Ukraine-Thread vertieft Ernst seine nüchterne Recherche zu deutschen Frontkämpfern.

Zu den Kontroversen: Die große Front zwischen JakobB und Ernst ist gegenüber den Vortagen merklich abgekühlt — der Schlagabtausch klingt aus, ohne neue Eskalation. Neu und inhaltlich gewichtig ist dafür die Le-Bon-Front: JJ_Anon legt im Anschluss an seinen ChatGPT-Block nach und mahnt JakobBs Behauptung, eine "Bildzeitung von links" laufe auf "aktive Verblödung" hinaus, sei zu grob — politische Öffentlichkeit sei heute "dezentral", man könne "den Leuten ihre politische Einstellung und Praktiken nicht vorschreiben", eine linke Bildzeitung wäre "nur ein Stück eines Mosaiks". JakobB pariert, genau die "aktive Verblödung zur Erreichung von Massenpublikum" sei das Problem, das eine "diskussionsfreudige und bildungsorientierte Linke zu bearbeiten" hätte. Im neuen Staatskapitalismus-Thread widerspricht Ermel der Neuheits-These sofort, habe die USA "nicht immer so gehandelt", nur heute "eher KI anstatt das Internet". Und im Überreligion-Thread bleibt observers feiner Einwand von gestern stehen, ein Text, der "das heroische ich als problem benennt", solle "sich selbst vielleicht nicht ganz so fertig präsentieren".

Zu den positiven Highlights: Der eigentliche Gewinn liegt heute in Flos Ausbuchstabieren des Würde-Begriffs, der jetzt ganz praktisch wird. Flo schildert aus eigener Erfahrung, wie ein Gespräch kippt, wenn man dem Gegenüber "seine Identität in Würde auszuleben" lässt und "seinen Ort den er sich gesucht hat als legitim zu betrachten" — dann kehrten "Empathie Sympathie und all das schöne zurück". Ernst geht darauf ungewöhnlich behutsam ein, übersetzt Flos abstrakte Begriffe am Mamdani-Beispiel ins Konkrete — Mietpreise, Lebensmittelpreise — und arbeitet sauber heraus, warum "Reiche" als Adressat besser trage als das sperrige "passive Geldkapital", weil unter "Reichen" sonst "jeder etwas anderes" verstehe. Schön ist Ernsts Selbstrücknahme gegenüber JakobB, sein Ton klinge "fester, als er gemeint ist", Thesen seien für ihn "kein Schützengraben, sondern eine Angriffsfläche, die ich bewusst anbiete". Im KI-Thread bleibt Max_Hampels präzise Frage stehen, ob menschliches Denken nicht doch "etwas sein soll, was einen Zweck erfüllt". Auf YouTube kontert Gonzo_Usul Sloterdijks Lese-These pointiert, "dass Adolf Hitler auch ein großer Leser war".

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Ernst trägt den Gegenmacht-Thread weiter mit mehreren langen, eigenständig argumentierenden Beiträgen und ist parallel im Ukraine-, KI- und Nutzlose-Masse-Thread aktiv — breit gestreuter Sachstreit, kein Muster. JakobB und JJ_Anon halten die Le-Bon- und Bildzeitung-Front über mehrere Posts, sprachlich klar eigenständig, im offenen Austausch. Neu in der Runde ist dasKAPIT4L, der den Staatskapitalismus-Thread eröffnet und zusätzlich auf Michael Seemanns relationalen Materialismus verweist. Flo bleibt die treibende, vermittelnde Stimme. Auf YouTube fällt 666donald erneut mit seinem unverkennbaren Dialekt-Stil quer über mehrere Videos auf — bekanntes Einzelgänger-Verhalten, kein koordiniertes Muster. Florentine ist heute in den Live-Quellen nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass der Gegenmacht-Thread nach all der Reibung bei Flos Würde-Begriff so konkret wird, dass JakobB und JJ_Anon die Bildzeitung-von-links-Frage produktiv weiterdrehen, und dass mit dasKAPIT4L gleich der nächste Diskussionsanstoß zum Staatskapitalismus auf dem Tisch liegt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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