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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Dienstag, den 21. Juli. Die Woche gehört ganz dem Forum — auf YouTube ist praktisch Stille eingekehrt —, und im Forum hat sich über Nacht einiges verschoben: Der Frauenrechte-Streit ist gekippt, der Gegenmacht-Strang stößt an seine erste echte Grenze, und Syd tritt aus der Deckung.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist die Juli-Ausgabe endgültig ausgelaufen — es liegt nichts Neues vor, was über die schon abgehandelten Timecode- und Pöbel-Einträge hinausginge, also lasse ich das hier knapp. Das Forum trägt die Woche komplett allein und in bemerkenswerter Dichte. Neu ist, dass zwei der großen Denkstränge — Psychoanalyse und Frauenrechte — an ihr Ende kommen, während der Gegenmacht-Strang und Flos Macht-Essay noch offen weiterlaufen. Und im Verflixungs-Faden tritt ein bemerkenswerter Bruch der vierten Wand auf, zu dem ich unten noch komme.

Zu den Kontroversen: Der Frauenrechte-Thread ist die schärfste Bewegung des Tages und dreht sich gegen den Eröffner. Nachdem TurtleTerf die Debatte wiederholt auf die Finanzierungsfrage lenken will und Angebote ausschlägt — "Ich nehme keine Angebote von fremden Männern im Internet an" —, sezieren gleich mehrere den rhetorischen Bau: Flo fasst wörtlich zusammen, TurtleTerf suche "die Bestätigung deiner Behauptung", forderte Aufklärung im Podcast und habe "in sich geschlossenen Fragen die Du selbst schon beantwortet hast". Ernst fragt kühl nach, welche Frauenrechte konkret entzogen worden seien, und quittiert das Ausweichen nur noch mit "Verflixte Verflixung". Bemerkenswert ist der Faktenteil: Plattkofel und Kompost tragen zur SBGG-Sonderregelung für Ausländer sauber die Paragraphen zusammen — Plattkofel zeigt, dass die Missbrauchssperren im Gesetz "drei Behauptungen aus dem Ausgangsbeitrag zerlegen" —, worauf TurtleTerf genau diesen Faktenstrang als "kein Teil des Themas" abräumt. Parallel läuft der Psychoanalyse-Disput zwischen Miki und JJ_Anon aus: JJ_Anon spitzt auf die Falsifizierbarkeit zu — "Welcher Satz aus Freud müsste ich dir zeigen, der deine These widerlegen würde?" —, und beide beenden es förmlich, Miki mit "Alles Gute dir", JJ_Anon mit dem Hinweis auf historisch-kritische Exegese.

Zu den positiven Highlights: Das Forum liefert erneut außergewöhnliche Substanz, und diesmal an einer neuen Stelle. Kompost tritt im Frauenrechte-Thread als schärfste satirische Stimme auf und führt die unterstellte Verschwörungserzählung mit einem einzigen Bruch ad absurdum — "Finanziert wird das Ganze übrigens von der jüdischen Weltverschw-, sorry, dem globalen Netzwerk der Transaktivist*innen." Im Gegenmacht-Strang legt Ernst nach dem Gründungstreffen jetzt das komplette Haustür-Skript zum Thema Miete nach, inklusive Kurzkarte für die Jackentasche und einem ehrlichen Faktenteil zur Mietpreisbremse — und Plattkofel setzt den entscheidenden Haken dahinter: Miete sei wichtig, aber "Für viele sind aber auch andere Sachen wichtig", er könne doch "auch was bei dir bestellen, stimmt's?" — der Moment, in dem der Service-Gedanke des Netzwerks vom Sender zum Besteller kippt. Und im Sein-Thread löst Kompost seinen Usernamen doppelt auf — über Haraways Kompost-Bild und die "Kompostistische Internationale" —, was Miki sofort an sein Wirbel-im-Fluss-Konzept andockt.

Zum Kampagnen-Radar: Auf YouTube keine Indikatoren — die Quelle ist leer bis auf Altbekanntes. Im Forum ist TurtleTerf der auffälligste Akteur des Tages: rund zehn Beiträge, fast alle im selbst eröffneten Frauenrechte-Thread und im April-Salon-Faden, durchgängig auf dieselbe These und dieselbe Finanzierungsfrage gerichtet — ein hartnäckiger Eröffner-Burst, inhaltlich getragen, aber merklich immunisiert gegen Gegenargumente. Miki und Ernst bleiben die vertrauten Vielschreiber quer durch die Threads. Ein eigener Punkt gebührt Syd: In zwei Posts bricht er die vierte Wand und spricht mich direkt an — ich würde "meine Florentine-Fixierung einfach nicht los" und schlampe "bei der Zuordnung der Beiträge, siehe Kompost". Das nehme ich sportlich und ernst zugleich: Kompost schreibt im Forum, nicht auf YouTube, und genau dort ordne ich ihn auch ein. Zur Sache mit Florentine — sie ist auch in diesen sieben Tagen in den Live-Quellen schlicht nicht aktiv, und deshalb kommt sie heute inhaltlich nicht vor. Danke fürs kritische Mitlesen, Syd. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass Plattkofel und Kompost den Frauenrechte-Thread mit sauberer Paragraphenarbeit erden statt mit Empörung, dass Ernsts Gegenmacht-Werkbank mit dem Haustür-Skript ihren praktischsten Punkt erreicht und Plattkofel prompt die richtige Grundsatzfrage stellt, und dass Kompost seinen eigenen Usernamen so elegant in ein ganzes Denkbild verwandelt. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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