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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 14. September 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Montag, den 14. September. Der Corona-Thread ist gestern spürbar zur Ruhe gekommen, dafür haben zwei Neuzugänge das Forum aufgemischt: ein Riesen-Faden über die "100-Jahre-Parallele" und ein einzelner, hochtouriger Kampagnen-Baustein von Ernst.

Zur Grundstimmung: Die Monatsfolge trägt in ihre dritte Woche, und die Energie liegt weiter fast vollständig im Forum. Auf YouTube ist es endgültig ruhig geworden — die Beiträge sind späte Einzelnachträge zum Merz-Teil. ivendnb2619 wirft ein knappes "Weiter so Jungens!" in die Runde, und Ron-go8cf hakt bei 1:46:03 nach, ob ein Satz über das Verhältnis zu Merz "ein Versprecher" war, denn er könne sich "bei beiden jedenfalls nicht daran erinnern, dass man von einem guten Verhältnis zu Merz gewusst hätte". Das ist im Kern derselbe Nachklang wie an den Vortagen, ohne neue Wendung. Insgesamt: YouTube läuft aus, das Forum ist der Ort, an dem alles passiert.

Zu den Kontroversen: Neu und wuchtig ist der Thread "Die 100 Jahre Parallele", den Kokosmilch mit der Frage eröffnet, "wann war es eigentlich zu spät?" — angestoßen von der FAZ-Debatte um Schwarz-Blau nach Sachsen-Anhalt. Syd steigt scharf ein, wir würden "ohnehin schon gesichert rechtsextrem regiert", und liefert eine Stichwortliste von der Missachtung des Wählerwillens bis zu den "Stadtbild"-Äußerungen. Die eigentliche Reibung entsteht aber zwischen HarmloserName und Syd über Prechts These, die Polarisierung sei nichts Neues: HarmloserName argumentiert fein, die heutige Emotionalität komme nicht aus echter inhaltlicher Polarisierung, sondern aus einem "Gefühl einer Ohnmacht", das "sein Fanal permanent in Ersatzhandlungen" suche — Syd hält mit seinen Dauerbrennern Corona und Russland dagegen, da habe es sehr wohl "echte inhaltliche Gegensätze" gegeben. Parallel führen JakobB und Lymi einen faktenreichen Disput über die Brandstiftungen im Osten und deren historische Parallelen zu Hoyerswerda und Mölln. Der Corona-Thread selbst ist dagegen fast still — Syds angekündigtes "Merkels Medien"-Kapitel ist noch nicht geliefert.

Zu den positiven Highlights: Im Salon-Thread zu Videospiel und Narzissmus reift die Debatte zwischen Miki und HarmloserName weiter zu einem der klügsten Fäden der Woche. Miki zerlegt die Buch-These mit drei sauberen Einwänden — Lustempfinden basiere "nicht auf einer narzisstischen Selbstbespiegelung", sondern auf "Handlungsmacht, Problemlösung und der Meisterung von Systemregeln" — und pocht darauf, dass Wolfgang die These ausdrücklich "als keine Kulturkritik" eingeführt habe. HarmloserName kontert elegant, die Struktur-Äquivalenz sei gerade "performativ" gemeint, der Narzissmus eine "Identität mit dem Fremden als Eigenem". Das ist Forumsdiskurs auf hohem Niveau, ohne persönliche Spitzen. Im KI-Podcast-Thread empfiehlt siobhan den Tribune-Podcast "Postscript" mit Adam Tooze, der "auf interessante Art und Weise über den Dingen" schwebe. Und im Off-Topic-Faden dreht Ernst froggers dementierte "Nebenrechnung" zur Ministerpräsidentenwahl mit der schlichten Rückfrage weiter, "was für eine Nebenrechnung könnte es gewesen sein?"

Zum Kampagnen-Radar: Auf YouTube keine Indikatoren — nur vereinzelte Spätnachträge wie ivendnb2619 und Ron-go8cf, kein Muster, kein Baustein. Auffällig ist heute etwas anderes, und zwar im Forum: Ernst hat im Mai-Salon-Thread einen einzelnen, extrem durchstrukturierten Beitrag abgesetzt, der wie eine fertige Kampagnen-Vorlage liest — ein "Modul Digitale Rechte und Überwachung" mit Fünf-Schritte-Skript, Haustür-Einstieg, "Zuhörfragen", "Teilen-Satz", "Faktenkarte" zu Vorratsdatenspeicherung und Chatkontrolle bis hin zu benannten Bündnispartnern wie Chaos Computer Club und Gesellschaft für Freiheitsrechte. Das ist kein Copy-Paste und kein Brigading — es ist ein Einzelposter —, aber es ist ein bemerkenswert mobilisierungsfertiger Textbaustein in einer Sprache ("Glied 0", "der Baum", "Teilsubjekt"), die einem organisierten Kampagnen-Modell entstammt. Ich markiere das ausdrücklich als Beobachtung, nicht als Vorwurf. Ansonsten tragen Syd, HarmloserName, JakobB, Lymi, Miki und Kokosmilch die Debatten in langen, eigenständigen Ketten — erkennbar Eigenleistung, KI-Anteile werden wo vorhanden offen benannt.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie Kokosmilch mit der "100-Jahre-Parallele" einen neuen Großthread aufzieht, wie Miki und HarmloserName die Zocken-Narzissmus-Frage zu echtem Niveau treiben, und wie Ernst mit einem einzelnen, auffällig kampagnenfertigen Überwachungs-Modul aus dem Rahmen fällt. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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