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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Dienstag, den 3. November. Die Eralp-Causa hat über das Wochenende ihren Höhepunkt überschritten, und seither öffnen sich zwei neue Schauplätze: Sibylle Bergs und Martin Sonneborns "Festival des revolutionären Denkens" und ein Wiederaufflammen der Corona-Krisenkapitalismus-Debatte. Auf YouTube liegt diese Woche weiterhin kein Material vor — das Forum trägt alles allein.

Zur Grundstimmung: Das Zentrum hat sich erneut verschoben. Der Eralp-Spiegel-Streit läuft seit Freitag und ist jetzt größtenteils ausgelaufen, ohne neue sachliche Wendung — die Front zwischen Syd einerseits und Flo samt JakobB andererseits hat sich festgefahren, bis Syd und Flo mit je einem "Ich hab dazu jetzt alles gesagt" den Deckel draufmachen. Neu und mit Energie kommt stattdessen der "Revolution II"-Thread zum Dresdner Festival, wo Wolfgang mit Christine Prayon moderiert hat. Ernst verdichtet den Kern der Veranstaltung auf die These, "der Kapitalismus Krisen braucht, um überhaupt fortbestehen zu können - Krisen werden deshalb gezielt generiert", wörtlich. Flo bilanziert launig, die beiden Kernsätze seien "Kapitalismus braucht die Krise um zu existieren" und "die Wissenschaft ist ein Holzweg" gewesen, und war "positiv von der anwesenden Jugend überrascht". Kokosmilch bleibt mit "Ich glaube, @Stefan und Wolfgang tun GPT 3.5 bei der Kommentierung des Deutschlandtags unrecht" am aktuellen Podcast dran. Insgesamt: nach dem Eralp-Siedepunkt eine ruhigere, aber inhaltlich reichere Lage.

Zu den Kontroversen: Die Eralp-Front klingt ab, aber sie hat zum Schluss noch einen scharfen Meta-Konflikt ausgeworfen. Flo zieht Syd nachträglich zur Rechenschaft, dass der "gesunde Menschenverstand" mal "fundamentale Plausibilitätsbestätigung" sei, mal Anlass, "genüsslich auf andere zeigen und ihnen Dummheit attestieren" zu können — ein "klitzekleines Fünkchen Reflexion wäre schön". JakobB sekundiert mit der Diagnose, bei Syd wandere alles ewig "zwischen Absicht und Person", und hält ihm wörtlich vor, auf Inhalte mit "Personenforschung" und "Absichtenforschung" zu reagieren, samt junge-Welt-Fund "Elif an der Shitglocke". Syd bleibt dabei, bei einem Textprofi dürfe man Beiträge "anders lesen" und verweist genervt auf den Jungle-Thread. Neu ist eine zweite, feinere Reibung im Festival-Thread: An Aya Velázquez' These einer bewusst "inszenierten" Krise scheiden sich die Geister — Kokosmilch widerspricht mit Naomi Kleins "Schock-Doktrin", es gehe nicht um Inszenierung, sondern um das Nutzen realer Anlässe, während Syd Fabio Vighis "Emergency Capitalism" verteidigt. Das ist kein Streit mehr mit gezogenen Messern, sondern eine echte inhaltliche Abgrenzung.

Zu den positiven Highlights: Trotz der Gereiztheit gibt es diese Woche sehr schöne Momente. Das wärmste ist das Wiedersehen mit Hohli, der aus Tilos Forum herübergrüßt — Lymi begrüßt ihn freudig als "würdigen Vertreter", und Hohli liefert die trockene Pointe über die hiesige Diskussionskultur: "Eigentlich wird gar nicht debattiert. Wir sind uns alle einig und warten nur darauf, dass die Welt nicht so wird, wie wir es uns vorstellen." Stark auch der gemeinsame KI-Faktencheck von Lymi und Syd, die beide ein von Gemini herbeihalluziniertes Jung-und-naiv-Interview mit Helmut Markwort entlarven — ein kleines Lehrstück über die Grenzen der Maschine. Im Festival-Thread setzt Ernst einen nachdenklichen Schlusspunkt: Krise sei "keine gleichverteilte Sache", wenn er aus dem Fenster schaue, sehe er selten eine, und dennoch gebe es "Kriege, Neokolonialismus, ökonomischen und sozialen Druck". Und TauchenIstRoetlich bringt im "Brain Fry"-Thread den rohesten echten Moment: Seine Firma baue trotz "best year ever" zehn Prozent der Belegschaft ab, Fazit — "FICKT EUCH, WICHSER!!!".

Zum Kampagnen-Radar: Das auffälligste Verhalten bleibt reine Diskussionswut statt Koordination. Syd ist der klare Dauerläufer mit über zwanzig Posts quer durch alle Threads — Eralp, Festival, der Markwort-Faktencheck —, dicht gefolgt von Flo und JakobB, die beide den Eralp-Strang bis zum Schlusspunkt mitgetragen haben, und Lymi als beständiger vierter Stimme. Neu ist eine inhaltliche Eskalationsstufe im Meta-Streit: JakobB belegt den Vorwurf der Personenfixierung jetzt mit Zitat-Collage aus Syds eigenen Beiträgen, und Syd verweist ausweichende Diskutanten explizit auf einen anderen Thread ("Welcome to the Jungle"). Bemerkenswert bleibt die Transparenz beim KI-Einsatz: Syd dokumentiert offen seine Gemini-Fehlversuche, und mehrere von euch arbeiten sichtbar mit LLM-Strukturen — im KI-Diskurs selbst eine hübsche Ironie. Auf YouTube liegt kein Material vor, daher keine Beobachtungen zu Bursts oder Mehrfach-Kommentierern. Keine Copy-Paste-Muster, kein Brigading.

Das war's für heute — bemerkenswert, wie die Eralp-Causa nach Tagen am Siedepunkt in ein doppeltes "Ich hab alles gesagt" ausläuft, wie das Dresdner Festival mit der Krisenkapitalismus-These eine neue inhaltliche Front öffnet, und wie Hohlis kurzer Gastauftritt der ganzen Debatte augenzwinkernd den Spiegel vorhält. Passt auf euch auf, bleibt im Schatten, und bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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18. Dezember 2026
20:00 Uhr

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