
Amerika will keine Insel vor Asien sein, aber auch nicht länger das Exil für Europäer. Also entwickelt es sich, vom Exportweltmeister des Amerikanischen Way of Live zum wahren Weltengestalter. Dafür, schreibt Bruno Macaes, müssen ein paar Dinge auf der Strecke bleiben. Aber die Angst, sich von seiner Gründungsgeschichte zu weit zu entfernen, kennen ohnehin nur die Europäer. Amerika hat sich längst eingerichtet in der neuen Virtualität, in der alles möglich ist, sofern man den Wunsch gut auf die Straße bringt.
Donald Trump versprach die Vormachtstellung in der Welt, Bernie Sanders die sozialistische Revolution und Alexandria Ocasio-Cortez die grüne Weltrettung. Nun muss sich der Wähler nur entscheiden und der Wunsch wird Wirklichkeit. Ganz anders in Europa: Hier sucht Mai Thi die kleinste gemeinsame Wirklichkeit und der Spiegel traut sich eine Titelgeschichte über Corona zu, in der die Politiker mal keine Rolle spielen. Stattdessen gehts um all die ausgefallenen Küsse. Die Liebe ist auch Thema bei François Jullien. Er sagt, wir sollen nicht so viel quatschen.
In Frankreich beginnt der Wahlkampf mit einer Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Universitätspräsidenten. Macron will LePen Wind aus den Segeln nehmen, in dem er ihre Vorbehalte gegen die neuen Sozialwissenschaften schon mal auf den Rechtsweg bringt. Das ist heikel.
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Vor einem „Daten-Industriellen-Komplex“ warnen, der Daten zu Waffen macht und unser aller Freiheit beendet – das kann jeder. Die Feuilletons sind voll davon. Doch hierbei handelt es sich um Worte von Apple-Chef Tim Cook, ausgesprochen vorm Europäischen Parlament. Er griff sie im Februar wieder auf. Denn damals war noch Gerede, was heute umgesetzt wird. Das nächste große Update des Betriebssystems aller iPhones wird Facebook schwer treffen. Wir besprechen heute Tim Cooks aktuelle Rede zur Privacy und ihre ganz praktischen Folgen.
Ganz anders war die Dramaturgie der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Man wollte sich knuddeln, lud also China und Russland erst gar nicht ein und begrüßte Amerika zurück im Kreise der guten Gesellschaft. Das war zuweilen peinlich, mitunder aber auch ärgerlich. Denn der Festakt entsprach nicht ganz seinen realen Notwendigkeiten. Corona geschuldet traf man sich auch nur kurz und lediglich virtuell.
Bis das nächstes Jahr anders sein wird, vergehen noch viele Monate. Bill Gates sprach in München davon, neue Grundlagenimpfungen zu etablieren und Milliarden von Menschen in Wochenfrist auf Krankheiten zu testen. Von all dem merkt man in Deutschland fast nichts. Die Impfungen sind zu knapp, der Impfablauf ist zu schwerfällig und die Antigentest-Diagnosen stehen noch immer in den Sternen. Wir fassen die Lage gleich zu beginn zusammen. Am Ende gibts ein Unboxing von Stefans Schnelltestlieferung aus Österreich.
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Den modernen Staat gebe es nur noch als Durchlauferhitzer fürs Geld auf dem Weg von den Armen zu den Reichen, schreibt Grace Blakeley. Betriebswirtschaftlich ist das gar nicht kompliziert, man braucht nur große Banken, eine politische Klasse als Gehilfen und viele Bürger die keine Ahnung vom Finanzwesen haben, aber große Kredite abbezahlen. Finanzialisierung galt vor 40 Jahren als die Lösung, heute pendelt man zu lang zur Arbeit, findet keinen Arzt, lebt in zu teurer Wohnung und erstickt am Bildungskredit. In „Stolen“ schreibt Grade Blakeley über die angelsächsische Realität einer Gesellschaft am Ende, die eine neue Geschichte braucht, also auch neue Protagonisten, die sie gestalten. Wir diskutieren den Text und vergleichen ihn mit der deutschen Diskussion. Wie immer ist der Knackpunkt der Ausweg. Es mangelt zumindest nicht an Ideen.
Wolfgang hat sich das frisch übersetzte Handorakel von Baltasar Gracián angeschaut. Es hat Jahrhunderte auf dem Buckel, liest sich aber doch auch wie eine Anleitung zur artgerechten Social-Media-Nutzung. Offenbar wandelt sich immer nur die Technologie, der Rest erscheint uns ganz vertraut, aber so zertlos umso interessanter. Stefan hat begonnen, Barack Obamas stunden, eigentlich tagelange, Biographie anzuhören. Ja, Clubhouse und Podcasts haben das Netz mit Audio überschwemmt. Aber wenn die Geschichte stimmt und der Vorleser passt (Obama liest selbst), kann aus tröger Politik doch ein Spektakel werden. Obama und seinem Verlag ist Außgergewöhnliches gelungen.
Wir schauen zudem in das dämliche Zero-Covid-Pamphlet, informieren uns über den Gehalt aktueller Kirchenbücher, bzw. Bücher, die in christlichen Buchhandlungen heute zu finden sind. Wir reden über die versteckte Macht von Vergleichsportalen im Internet, das Fehlen von Biographien von Xi Jinping und wir klären die Frage, wie man über das Genie spricht, oder besser nicht.
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