Salon

Wir lesen01/2024Nomadisches Jahrhundert, Jil Sander, Mickey Mouse, Mietmarkt-Milliardäre, Robert Kagan, Dath über Nick Lands Technofuturismus, Schlafen

Nicht selten ist 1+1 gleich 2. Gaia Vince schreibt über das nomadische Jahrhundert, welches schon begonnen hat, mit knappen Kalkulationen: 1 Grad Klimaerwärmung führt zu 1 Milliarde Flüchtlingen. Sind es mehr, sind es mehr. Auf das Zeitalter der Klimawandel-Abwendungsbücher kommen nun die Klimawandel-Anpassungsbücher. Wir besprechen es ausführlich, rund zwei Stunden lang. Danach reden wir über Jil Sanders teure Mode, die zwar zum Luxus-Segment gehört, aber zumindest einer vernünftigen Gründungsidee folgt, nämlich beispielsweise die Frau bei der Arbeit funktional und schick und nicht als Männer, nur anders, zu kleiden. Sie selbst blieb dabei ein Mysterium, weshalb Maria Wiesners Biographie über sie als Annäherung ausgeflaggt ist. Darüber hinaus sprechen wir über die Tagesspiegel-Texte zum Berliner Mietmarkt (von 2019), Robert Kagans Warnung vor Trumps Diktatur, das Schlafen, französische Freundschaftsbegriffe und Daths Meinung zu Nick Lands Technofuturismus.

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Literatur

  1. Der Klimawandel setzt Milliarden Menschen in Bewegung, angenehm wird es in Kanada und Sibirien, während südliche Länder zu Wüsten werden. Sind wir bereit für diese Migranten? Bauen wir jetzt neue Städte? Gaia Vince fragt dies in ihrem Buch “Das nomadische Jahrhundert. Wie die Klima-Migration unsere Welt verändern wird”
  2. FAZ-Journalistin Maria Wiesner porträtiert in ihrem lesenswerten Buch “Jil Sander. Eine Annäherung” die bedeutendste Modedesignerin aus Deutschland
  3. Die Recherchen vom Tagesspiegel und Correctiv.org zu den Hintermännern des Berliner Mietmarkts sind inzw. 4 Jahre alt, aber weiterhin sehr interessant
  4. Robert Kagan war Republikaner und Berater von John McCain, nun warnt er vor einer Trump-Diktatur. Die “Blätter” haben den aufsehenerregenden Text veröffentlicht
  5. Nato-Stabsmitglied Michael Rühle lässt im Cicero kein gutes Haar an den „Lehnstuhlgenerälen“, die zum Ukrainekrieg nicht analysieren, sondern nur noch appellieren
  6. Ann-Kristin Tlusty rezensiert bei “Zeit Online” das Freundschaftsbuch von Geoffroy de Lagasnerie, das sich wie ein antinatalistisches Manifest liest
  7. Mickey Mouse ist vom Urheberrecht befreit. Die New York Times macht sich amüsante Gedanken zum weiteren Schicksal der Maus und all ihrer Freunde
  8. Nick Land gehört zu den extrem rechten Techno-Futuristen, nun sind seine Texte auf Deutsch erschienen, mit einer sensationellen Einordnung von Dietmar Dath und Philipp Theison
  9. Schlafen ist nichts, was vielen Menschen gut gelingt. Die Brigitte fasst neues Studienwissen zusammen. Zu wenig Schlaf schlägt uns aufs Gemüt und darin könnte auch eine politische Gefahr lauern
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Stefan
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Mathias

9 Gedanken zu „Nomadisches Jahrhundert, Jil Sander, Mickey Mouse, Mietmarkt-Milliardäre, Robert Kagan, Dath über Nick Lands Technofuturismus, Schlafen

  1. Martin Belz

    Podcast-Aufnahme von euch schneller gedreht? Leider geht das sehr zu Lasten der Sprachverständlichkeit, wenn ich das langsamer abhöre (sorry, bin sonst überfordert) . Bitte gerne in Normalgeschwindigkeit ausliefern und dem Podcast-Client den Speedup überlassen.
    Danke 🙂

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  2. Beate Obst

    Problematisch m.E. an Gaia Vinces „Anpassungsvorschlägen“ (laut eurer Vorstellung, habe es selbst noch nicht gelesen): hier werden mit CO2-Rückholung mittels Geoengineering im großen Stil und Kühlung großer Gebiete inkl. Außenflächen (!) technologische Möglichkeiten vorausgesetzt, deren effektive und ökonomisch sinnvolle Verwirklichung in den Sternen steht.
    Es ist daher schade und auch unnötig, zwei Ziele (Reduzierung von CO2-Ausstoß und Energieverbrauch einerseits und andererseits umsichtiger politisch/technologischer Umgang mit den jetzt schon anstehenden Folgen (ohne weiteren Anstieg, der kommen wird)) gegeneinander auszuspielen.

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  3. Anonymous

    Zu welcher Zeit im Podcast kommt das Thema Fabio de Masi? In den Kapitelmarken ist das leider nicht erkennbar.

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  4. Nica

    Kleine Ergänzung zum 49€ Ticket in Bayern:
    Ein 29€ Ticket gibt es nur für Studenten und Auszubildende.
    Für Schüler in den Oberstufen gibt es noch ein 365€ Ticket für ein Jahr.

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  5. Andreas Rapp

    Hallo, euch noch ein gutes und gesundes neues Jahr. Es war wieder eine schöne Folge. Eine oder zwei oder mehr Anmerkungen, die ihr ja besonders gern habt😉😁
    Es ging da ja auch um Anpassung an die Klimakatastrophe und das man sich damit auseinandersetzen müsse.
    Das steht sehr umfassend im (immer noch) aktuellen IPCC Bericht.
    Genauer gesagt, im 2. Teil, der sich auf mehreren tausend Seiten genau damit befasst. Es ist zum Haareraufen, wenn irgendwelche PolitikerInnen und andere öffentliche Personen über Anpassung reden, als ob sie etwas Neues entdeckt hätten, auf das vor ihnen noch niemand gekommen ist. So zB. der nach rechts blinkende und in Klima- und Energiefragen irrlichternde Vince Ebert, der darüber fast ein ganzes Buch geschrieben hat-Spiegel Bestseller🙈. Übrigens nach wie vor für mich ein kollektives Medienversagen, dass keine einzige professionelle Redaktion dieses gesammelte Menschheitswissen systematisch aufbereitet hat. Dieses Werk gehört für alle Aufmerksamkeitsspannen und Interessenslagen übersetzt, die Sprache im Bericht erklärt. Die Unsicherheiten, die Gewissheiten, die Wahrscheinlichkeiten als quantitatives Mass und das Vertrauen in eine Aussage als qualitatives Mass. Das alles gehört kommuniziert. Ich würde sogar in der Sendung von Florian Silbereisen davon was unterbringen🤓. Aber nichts dergleichen findet statt. Nicht gemeint sind die vielen individuellen Ausnahmen. Das strukturelle mediale Versagen ist eklatant. Dafür dürfen weiter die WissenschaftsjournalistInnen die Erklärbären spielen, die politischen JournalistInnen und KolumnistInnen behalten sich die Einordung und Interpretation vor. Was für eine Anmassung und Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten. Es ist ein Armutszeugnis, dass private Initiativen diese Lücke füllen müssen, mit begrenztem Budget, mit begrenzter Reichweite aber in hoher Qualität. Die eine Initiative kennt ihr selbst mit Jens Brodersen und Patrick Breitenbach. Systemisches und vernetztes Denken par excellence. Auf eine andere Initiative möchte ich an der Stelle noch ganz explizit hinweisen. Nach der Veröffentlichung des ersten Teils des IPCC Berichtes gestartet: das Podcastformat
    „Das Klima-Der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise“ von Florian Freistetter und Claudia Frick. Wer die ersten 74 Folgen davon gehört hat, hat sich mit professioneller Hilfe durch alle 3 Teile des IPCC Berichtes gelesen. Man hat dann einen guten Überblick über Anpassungsmöglichkeiten und was Anpassung überhaupt meint. Zum Thema Klimamigration gab es letztes Jahr eine Studie, die sich einmal nicht mit den ökonomischen Kosten der Klimaerhitzung auseinandergesetzt hat, sondern mit den Menschlichen. „Quantifying the human cost of global warming.“ Ich nehme stark an, dass Gaia Vinces diese Veröffentlichung gelesen hat. Diese Arbeit hat sich angeschaut, bei welchen Durchschnittstemperaturen sich der Mensch am wohlsten fühlt, unsere ökologische Nische. Ab welcher Temperatur ist es dann nicht mehr erträglich und wieviel Menschen fallen bei den verschiedenen Klimaszenarien aus dieser Nische raus. Mit anderen Worten, wieviel Menschen sind einer direkten Hitze ausgesetzt, die es unmöglich und unerträglich macht, in diesen Gegenden weiter zu leben. Das ist das, was ja Vinces quasi übersetzt hat. Die AutorInnen schränken dabei ihre Arbeit insofern selbst ein, dass sie natürlich wissen, dass es momentan Gegenden gibt, die zu kalt sind aber durch Erhitzung wärmer und evtl. bewohnbar werden. könnten. Siehe eben Sibirien. Diese Möglichkeit haben sie nicht in die Berechnungen einbezogen. Allerdings genauso wenig den auftauenden Permafrost und dessen Auswirkungen, keinen Meeresspiegelanstieg, welcher ja auch eine zunehmende Versalzung der in Küstennähe vorhandenen Böden nach sich zieht.
    Und sie haben auch keine Wetterextreme mit einberechnet. Sie haben sich nur die direkte Hitze angeschaut und ein paar indirekte Effekte wie Ernteerträge, Wassermangel usw. Es lohnt sich, sich diese Arbeit auch mal anzuschauen. Entweder selbst lesen. Das Paper ist frei zugänglich. Oder im Podcast „Das Klima ….“ Folge 89.
    Zum „Geo-Engineering“ steht natürlich auch was im IPCC Bericht.
    Was dort CDR (Carbon dioxide Removal)und SRM (Solar Radiation Management) heisst. Aber das ist eine andere Geschichte. Mein Klugsch*** ist eh schon viel zu lang. Viele Grüße und das Buch von Gaia Vinces ist bestellt…
    Noch ein „Funfact“ aus der Studie: Bis zum Ende des Jahrhunderts fällt Katar komplett aus der ökologischen Nische raus…

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  6. Michael

    Hat jemand Lust und Muße Tickets für den Live Salon im März zu tauschen? – musste leider feststellen, dass ich schon Konzerttickets für Pisse in Offenbach an dem Datum gekauft hatte.

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