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00:00:00 Vor dem Salon
Wolfgang und Stefan begrüßen die Zuhörer live aus dem Saalbau in Frankfurt. Sie geben einen Ausblick auf die Themen des Abends: eine kritische Auseinandersetzung mit den Sommerinterviews der Tagesschau, die als mehrstündige Twitch-Streams für ein junges Publikum aufbereitet werden, und eine Grundsatzdebatte über „absolute Free Speech“, angestoßen durch die Journalistin Taylor Lorenz. Außerdem kündigen sie die nächsten Bücher an, die sie besprechen werden: „Polarisierung“ von Nils Kumka und „Verbinden statt spalten“ von Gilda Sahabi, um das Thema Polarisierung aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
00:06:01 Labubu weltweit
Der erste Themenblock widmet sich dem überraschenden popkulturellen Phänomen „Labubu“ – kleine, elfenartige Sammelfiguren, die weltweit einen Hype ausgelöst haben. Stefan berichtet von dem enormen wirtschaftlichen Erfolg der dahinterstehenden Firma, die einen Umsatz von fast zwei Milliarden US-Dollar erzielt. Wolfgang sieht darin einen bemerkenswerten kulturellen Wandel: Ein chinesisches Lizenzprodukt fordert die westliche, insbesondere amerikanische Popkultur-Hegemonie heraus und erreicht einen Hype, den selbst Disney nur noch selten schafft.
00:09:40 Freespeech
Wolfgang outet sich als zunehmend radikaler Anhänger der absoluten Redefreiheit („Free Speech“). Als Einstieg dient das Internetphänomen Lil Tay, das von einer neunjährigen „Flexerin“ zu einer 18-jährigen auf OnlyFans wurde und eine moralische Debatte auslöste. Daran anknüpfend diskutieren sie Gesetzesinitiativen in Großbritannien und den USA, die unter dem Vorwand des Jugendschutzes die Meinungsfreiheit massiv einschränken könnten. Kritisiert wird, dass Gesetze wie der „Kids Online Safety Act“ oder der „No-Fakes-Act“ nicht nur problematische Inhalte, sondern auch politische Berichterstattung, Satire oder Aufklärungsmaterial zensieren und vor allem mächtigen Personen und Konzernen nützen. Während Wolfgang vor einer Zensur warnt, die an die Moralpanik vergangener Jahrzehnte erinnert, betont Stefan die Notwendigkeit, echte Probleme wie KI-generierten Rachepornografie zu lösen.
01:17:46 Pause
Die Show geht in eine Pause. Zuvor wird ein Clip aus „Tagesschau-Together“ eingespielt, in dem die Nachrichtensprecherin Susanne Daubner in Jugendsprache das Sommerinterview mit Friedrich Merz ankündigt. Das Publikum wird aufgefordert, selbst zu entscheiden, ob dieser Versuch der Anbiederung „cringe oder voll cool“ ist.
01:22:25 Sommerinterviews
Nach der Pause analysieren die beiden das neue Format „Tagesschau-Together“, einen dreistündigen Twitch-Stream, der die traditionellen 30-minütigen Sommerinterviews begleitet. Stefan sieht darin eine verspätete und misslungene Reaktion auf seine frühere Forderung nach innovativen Formaten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Sendung wird als oberflächlich kritisiert, mit erzwungener Jugendsprache und fragwürdigem Journalismus. Besonders im Fokus steht das Fact-Checking: Während der Faktenchecker der Sendung die Falschaussage von Friedrich Merz zur Vermögenssteuer nur unzureichend korrigiert, liefert eine simple Anfrage an eine KI eine detaillierte und präzise Widerlegung. Interviews mit Grünen-Chef Felix Banaszak und Linken-Politiker Jan van Aken werden seziert, wobei van Aken mit schlagfertigen und faktenbasierten Antworten überzeugt, während die Moderatoren und Experten seine Forderungen als unrealistisch abtun.
02:14:07 Fragen
Im letzten Teil der Show beantworten Wolfgang und Stefan Fragen aus dem Publikum. Thematisiert werden unter anderem ihre wichtigsten gelesenen „Salon-Bücher“ (u.a. von David Graeber), ein möglicher gemeinsamer Urlaub in Italien, die Kündigung des Generationenvertrags durch die Jugend und ihre Vorstellung von einem perfekten letzten Mahl.
Ich habe etwas Feedback für Wolfgangs Segment. Ich finde die Argumentation von Taylor Lawrence durch die Bank einseitig und unnuanciert. Der CCC hat schon vor 10 Jahren gezeigt, dass es hier bei der Abwägung auch dazwischen geht.
Aber mein primärer Punkt ist der mit Mario Voigt am Ende. Hier tritt Wolfgang in einen Diskurs, in dem Voigt nur am Rande steht und der mit dem Rest gar nichts zu tun hat. Der Wunsch, das man Smartphones für Kinder verbietet, hat sehr reale Basis. Da ist nichts moral panic. In Bayern steht ein Verbot der Nutzung schon seit über 15 Jahren im Schulgesetz. Damals noch weil die Jugend Pornos per Bluetooth geteilt hat. Das ist alles real. Ich sehe auch in meiner Schule, dass iPads zwei Funktionen haben: glorifiziertes Heft und Ablenkung, wenn der Unterricht langweilig ist. Da hat sich nichts geändert. Aber: meine Schülerschaft ist um die 18 Jahre alt. Dazu wird von allen Seiten digitaler Unterricht gefordert, also gibt es hier einen Zielkonflikt, der diskutiert werden muss.
Sollten Smartphones in Schulen grundsätzlich erstmal verboten sein? Ja. Sollten, wir Stefan das fordert Schulen mehr zu Safe Spaces werden, zu Räumen direkter zwischenmenschlicher Kommunikation und zu Orten in denen junge Menschen lernen mit diesen Geräten umzugehen? Ja. Wolfgang hat Angst, dass man das Kind mit dem Bade ausschüttet, wenn man zuviel gegen free speech macht. Für den Teil mit Mario Voigt kann ich sagen: Man schüttet das Kind auch mit dem Bade aus, wenn man ein artfremdes kompliziertes Problem nimmt und dann die Fragestellung verabsolutiert. Das gilt auch für Taylor Lawrence. Es gibt hier ein Spektrum der Möglichkeiten.