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Wir lesen02/2020Blumenstrauß, Demokratiemathematik, Liberalismuslüge, autonome Waffen, König Zuckerberg

Am 5. Februar 2020 (dt. Zeit) wurde in Washington ein Manuskript zerissen und in Erfurt ein Blumenstrauß geworfen. Große Gesten zur Rettung der Demokratie, vollzogen von den Fraktionsführerinnen im amerikanischen Repräsentantenhaus und dem Thüringer Landtag. So groß aber die Gesten, so kompliziert die Gründe: Lässt sich Demokratie auf Parlamentsmathematik reduzieren? Die Frage ist eine Wette. Die thüringer Konservativen und Liberalen haben ihre verloren. Doch die amerikanischen Republikaner setzten sich durch. Der Wähler solle entscheiden, die parlamentarische Logik gilt nichts, wenn genauso gut der Wähler befragt werden könne. Wir diskutieren es heute im Detail, Wolfgang vertieft mit einem Rückgriff auf die Geschichte des politischen Denkens, dessen Theorie schon gruselt und dessen Praxis wir nun vorfinden.

Anschließend bringen wir uns auf den neusten Stand im amerikanischen Wahlkampf, blicken in eine Bundestagsdebatte über autonome Waffen und wir schauen uns die aktuelle Größenwahnsinnigkeit von Mark Zuckerberg an. Zum Schluß nennen wir kurz die Texte, die wir im Februar-Salon besprechen: A Very Stable Genius, versteckter Weltraum, Inside Dominic Cummings, Klima- vs. Umweltschutz, My Instagram.

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Wolfgang
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2 Gedanken zu „Blumenstrauß, Demokratiemathematik, Liberalismuslüge, autonome Waffen, König Zuckerberg

  1. Felix

    Zur Situation in der Pflege: Professionalisierung und mehr Gehalt soll man natürlich machen, aber das sind nicht die Argumente die massig Personen in die Pflegeberufe ziehen.
    Ich habe vor einem Jahr meinen 12-monatigen Bundesfreiwilligendienst in der Krankenpflege in einem großen Krankenhaus beendet und lange darüber nachgedacht die Ausbildung zu machen. Ich habe wirklich mit mir gerungen. Das Einzige(!), was mich wirklich abgeschreckt hat, sind die Arbeitsbedingungen gewesen. Nicht im engeren Sinne, dass ich mich an Schichtdiensten oder Feiertagsarbeit gestört hätte … Sondern allgemeiner die Überlastung mit der das Personal immer wieder umgehen musste. Ich habe im Dienst weinende Pfleger*innen gesehen, unzureichende Versorgung und eine Menge Streit untereinander, der aus der Gesamtsituation entstand.

    Immer wieder wird über die tolle Gesundheitsversorgung in Deutschland gesprochen, ohne zur Kenntnis zu nehmen unter welchen desolaten Umständen für die Pfleger*innen diese zustande kommt. Nicht selten arbeitet das Pflegepersonal am körperlichen und geistigen Limit und darüber hinaus. Und das alles während es große und direkte Verantwortung für die Gesundheit und auch das Leben von Menschen trägt. Stellt euch vor ihr hetzt über den Flur und wisst eh schon nicht wo euch der Kopf steht, seid unterbesetzt, und plötzlich müsst ihr einen Menschen reanimieren. Diese Kombination ist einfach unerträglich und ich habe mir das letztendlich schlicht nicht zugetraut.

    Jetzt ist man natürlich leider in einem Teufelskreis. Meines Wissens gibt es ja genug Auszubildende in der Pflege; nur bleiben viele nicht im Beruf sondern sichen sich lieber was neues, nachdem sie das ein paar Jahre mitgemacht haben. Meine Meinung ist: Personalschlüssel hoch, mehr ausbilden und für den Übergang mehr Hilfskräfte (auch freiwillig Angelernte, die wirklich helfen wollen und auch dazu in der Lage sind).

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  2. Felix

    Und noch als kleiner Nachtrag, weil ich es vergessen habe: Die ganze Idee, für das Problem Personalmangel gäbe es keine Lösung, gefällt mir nicht gut.
    Wolfgang hat zwar die Einwanderung angesprochen, allerdings gibt es noch eine ganz andere Möglichkeit: Man muss in anderen Branchen einfach so viele Menschen freisetzen, dass sich unter ihnen genug für die Pflege finden. Wer bald nicht mehr an der Kasse sitzt, käme auch für die Krankenpflege in Frage. Zumindest mal als unterstützende Hilfskraft für ein paar Jahre, aber mit Sicherheit finden sich unter denjenigen, die den Arbeitsplatz zukünftig verlieren, auch einige die komplett umsteigen würden.
    Dann bliebe nur das Problem der Finanzierung und da ist man dann spätestens in einer Position aus der heraus man ganz konkrete kapitalismuskritische Ansätze in die Debatte einbringen sollte.

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