Salon

Wir lesen08/2020Mary L. Trump, Slavoj Zizek, John Waters im Gespräch, Reichelt beim Leser, Millionäre entdeckt, Amazon Reviewbullshit

Marcel Fratzscher hat nachgeschaut und 2,1 Billionen Euro Privatvermögen in Deutschland gefunden, von dem man vorher nicht wusste. Die untere Hälfte kommt somit auf nur noch 1% des Gesamtvermögens. Das untere Viertel fällt mit 0% statistisch gar nicht mehr auf. Was man sich mit so viel Geld alles kaufen könnte?

Wollte man seine Bedürfnisse befriegen, sollte man vorher Slavoj Žižeks neues Buch zu Hegel lesen. Er arbeitet sich an den aktuellen Superreichen und Meinungsführern ab, allen voran Elon Musk. Der Transhumanismus holt zwar die Technik nah an den Körper und den Kunden zur Welt. Doch auf dem Weg geht auch Entscheidendes verloren. Wolfgang ist vom Buch beeindruckt.

Zu viel Geld kann eine Qual sein. Davon schreibt Mary L. Trump. Sie mochte immer ihren Namen, doch die Familie dahinter ist an ihrer Sucht nach Geld zugrunde gegangen und droht ganz Amerika mitzureißen. Ihr Buch ist Anti-Trump-Wahlkampf, als Warnung vor dem gefährlichsten Mann der Welt, der keine Ideologie und keine Strategien hat, sondern nur ein Ego. Nichts schützt uns mehr vor der Unfähigkeit von Donald Trump, schreibt seine Nichte. Jetzt gehe es um Leben und Tod.

Komm’ in den Salon. Es gibt ihn als Video, Audio & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl). Buche dir dein Ticket oder trage dich ein: Die Gästeliste des Salons ist geöffnet.

Literaturliste

  1. Slavoj Žižek hat ein sensationelles neues Buch veröffentlicht – pünktlich zum Hegel-Jahr: In „Hegel im verdrahteten Gehirn“ (S. Fischer Verlag) setzt der bedeutendste Philosoph der Gegenwart sich mit den transhumanistischen Phantasien von Elon Musk und Ray Kurzweil auseinander und zeigt mit Hegel sowie mit Freud und Lacan, was Neuralink und Singularität für uns bedeutet.
  2. Thomas Meaney hat für den Guardian Bild-Chefredakteur Julian Reichelt begleitet und die Absurdiäten der Zeitung und des Machers herausgearbeitet.
  3. Der Filmemacher John Waters wurde mit schrillen Filmen wie „Pink Flamingo“ berühmt, inzwischen aber ist er etabliert und wundert sich über die politische Korrektheit in seinem Land. Im GQ-Magazin ist er im Gespräch.
  4. Der Klimawandel bedroht eine halbe Million Eigenheime in Amerika. Es braut sich ein Problem zusammen, denn diese Häuser sind auf Kredit gekauft. Christopher Flavelle hat es für die NYT im Detail beschrieben.
  5. Amazon-Rezensionen beeinflussen Kaufentscheidungen stark, doch jetzt zeigt sich, dass Rezensionen nicht nur häufig von Verkäufern in Auftrag gegeben werden, sondern auch echte Rezensionen unter jedoch anderen Produkten erscheinen – plötzlich wird nicht der aufgerufene Telefonadapter, sondern ein Taco-Halter gelobt.
  6. DIW-Chef Marcel Fratzscher hat in Deutschland 2,1 Billionen Euro Privatvermögen gefunden. Dieser gigantische Wert verschiebt die Statistik gewaltig. Die Ungleichheit ist noch höher als gedacht, die Krisenbewältigung gerät in Gefahr.
  7. Daniel Laufer und Sebastian Meineck zeigen in einer großen Recherche, wie das polnische Unternehmen PimEyes 900 Millionen Gesichter im Netz in eine Suchmaschine eingespeist hat und damit jetzt jeder nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen suchen könnte.
  8. Mary L. Trump ist es gelungen, Trump zu erklären. Es habe keine politische Strategie, keine Ideologie und keine inhaltlichen Überzeugungen. Er hatte nur einen Vater, der ihn zum Killer erzogen hat. Eine zweite Amtszeit ihres Onkels wäre der Untergang der amerikanischen Demokratie.
  9. 1930 erschien Siegfried Kracauers Buch „Die Angestellten“, Peter Kern hat jetzt eine Fortsetzung dieses Klassikers verfasst: „Die Angestellten zwischen Büroalltag und Fluchtphantasien“ (Westfälisches Dampfboot) beschreibt, spitzt zu und analysiert die Welt und Klasse der Angestellten.

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