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Wir lesen12/2021Endemie?, Chiles Boric, Hüther, Habeck, Geld im Metaverse, Armut

In Chile wurde ein neuer Präsident gewählt. Nun läuft der Wettkampf, Neo-Kolonialismus via Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union, oder moderne Verfassung und echter Parlamentarismus. Für das Land mit Rekord-Ungleichheit geht es um einiges. Hierzulande steht natürlich auch ständig alles auf dem Spiel. Während der Pandemie wurde die Armut deutlich, die sich während Angela Merkels Regierungszeit gebildet hat. Und doch gibt es Hoffnungsschimmer. Wir haben eine neue Regierung, aber auch neues Denken. Ausgerechnet Michael Hüther wendet sich nun von der Schuldenbremse ab und sein Podcast-Buddy Bert Rürup, berühmt und berüchtigt, will mehr Hoheit für Politik im Parlament, statt ideologietriebene (vermeintliche) Verfassungstreue mit Schwarzer Null. Das ist Bewegung, rechtzeitig zum Start ins neue Jahr.

Corona ist noch nicht ganz vorbei. Dabei ist Omicron eigentlich die Türschwelle zur Endemie, der finale Boost zur Immunisierung, während wir alle Peak Impfschutz haben. Die Ungeimpften machen uns da den Strich durch die Rechnung. Zum Ende schauen wir noch auf die neue Regierung und prüfen ihr Performance-Potenzial. Die Notenvergabe fällt noch uneinheitlich aus. Aber Habeck kann ja noch an sich arbeiten. Wenn nicht, ab ins Metaverse. Wir gucken schon mal, wie man in der Kryptosphäre Geld verdient, und welches.

Komm’ in den Salon. Es gibt ihn via Webplayer & RSS-Feed (zum Hören im Podcatcher deiner Wahl). Wenn du Salon-Stürmer bist, lade weitere Hörer von der Gästeliste ein. Außerdem, zum Jahresabschluss: Dieser Podcast in Video-Version im Salon.

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Wolfgang
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Stefan
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Mathias

8 Gedanken zu „Endemie?, Chiles Boric, Hüther, Habeck, Geld im Metaverse, Armut

  1. Florian Kraft

    Ein vielversprechender Kandidat für eine der nächsten Salonfolgen wäre noch der Roman „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson. Das ist ein Science Fiction-Roman, der nüchtern und faktenbasiert untersucht, wie man dem Klimawandel realpolitisch noch Herr werden kann, und zu diesem Zweck unter anderem auch ausführliche makroökonomische Überlegungen anstellt.

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  2. Adrian

    Haha, herrliche Folge besonders bei Habeck
    „Deutsche“, endweder wollen sie einen umbringen wie bei Hitler oder beim Fenster putzen weinen

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  3. Jonny Nguyen

    Matthew Ball scheint auch einer der Ersten zu sein, der sich früh mit dem Metaverse beschäftigt hat. Und die Unternehmen, die der Podcaster bei euch erwähnt, in die ist auch Ball mit seinem META Fond investiert. Vielleicht könnte Balls Buch, das leider erst im Juli erscheint, ein Kandidat für den Salon sein.

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  4. Frechdachs

    Kleine vermeintliche Korrektur zu Chile. Dies ist wenn überhaupt das ungleicheste OECD Land und nicht weltweit. Aber das ist natürlich schlimm genug! Wobei ich denke, dass Kolumbien schlechter dasteht, allein weil Krieg noch mehr Ungerechtigkeiten verursacht.
    Auch ein Grund warum dieses Land besonders schlecht darsteht, ist die nicht erwähnte Unterdrückung der Indigenen, welche offiziell gut 11% der Bevölkerung ausmachen. Dank Pinochet gab es viel zu lange kein Gesetz, welches die Kultur der Indigene als selbständige Kultur anerkannte und in Folge sind viele Indigene von Ihrem Land vertrieben worden und in die Großstädte geflüchtet und haben Ihre Identität verloren ohne in der chilenischen angekommen zu sein (kurzgefasst).
    https://www.sueddeutsche.de/politik/chile-mapuche-1.5438785
    Übrigens importieren wir aus dem valdivianischen Regenwald fleißig Holz und Lachse aus Aquakultur, welche mit heftigen Antibiotikaeinsatz schon ziemlich lange in Veruf stehen, die chilenische Flora und Fauna in der Fjordlandschaft Südchiles zu zerstören und eben vorallem auf „Mapuche Land“ stattfinden bzw. Land, dass von Ihnen bewohnt wurde.
    https://www.deutschlandfunk.de/mapuche-in-chile-kettensaegen-gegen-baumgeister-100.html
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/suedchile-lachsfarmen-bedrohen-die-tierwelt-im-pazifik-a-701271.html
    https://amerika21.de/2020/04/239200/chile-lachsfarmen-offensive

    Die Abhängigkeit von Kupfer ist erschreckend anzuschauen:
    https://en.wikipedia.org/wiki/File:Chile_Product_Exports_(2019).svg
    Ein Viertel des Kupfers weltweit kommt aus Chile. Ganz schön abhängig von dem Marktpreis sind die…

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  5. Lennart

    Lieber Wolfgang, Lieber Stefan,

    ich bin sehr froh, Ende des letzten Jahres auf Euren Podcast gestoßen zu sein.
    Ihr macht das hervorragend! Die Art, wie ihr mit Zeit, Ruhe und Verständlichkeit die durchaus interessantesten Themen des Monats analysiert und sowohl ideologiekritisch als auch philosophisch soziologisch einordnet ist (glaube ich) einzigartig und genau das, was ich unbewusst zum Ende eines Monats gesucht hatte.

    Ich wende mich an Euch um einen kurzen Erfahrungsbericht davon zu geben, wie es sich als Student in der Pandemie anfühlt. Zunächst einmal ein großes Danke, dass ihr das Thema überhaupt aufgegriffen habt!
    Was ich noch ergänzend erzählen wollte, ist, dass aus meiner Sicht unfassbare Ausbleiben jedweder Kritik seitens der Studierenden selbst. Es wurde mittlerweile schon darüber geredet (auch von Euch), wie scheiße ein Studium von zuhause aus ist und wie sehr Medien und Politik uns Studis ignorieren. Es wird allerdings selten darüber geredet, warum das die Betroffenen gar nicht zu Jucken scheint. Die wenigstens Studierenden artikulieren ihren Protest öffentlich. Ich selbst war Mitbegründer einer Protestbewegung, die seit Sommersemester21 die verantwortungsvolle Wiedereröffnung der Unis mit Hygienekonzepten in Berlin forderte (#NichtNurOnline hießen/heißen wir), doch im gesamten Sommersemester haben wir es einfach nicht geschafft, mehr als 200 Studierende zu mobilisieren. In ganz Berlin. Trotz relativ großen Presseberichten, trotz Bundesweiter Vernetzung mit anderen Unis inklusive einem Gespräch mit (Ex!)-Ministerin Karliczek, trotz diverser Protestaktion blieb die Resonanz unserer Kommiliton:innen aus. Und die Uni zu.
    Jetzt, im Wintersemester, starteten wir zwar Hybrid, d.h. also auch mit Präsenz, doch erstaunlich viele Studis nutzen das Angebot nicht. Mittlerweile sind die allermeisten Kurse wieder gänzlich Online (Obwohl Hybrid ja für alle ein Kompromiss hätte sein können) und wieder bleibt jedwede Empörung der Studierenden aus. Sie nehmen die Distanzlehre einfach hin. Viele bleiben nun einfach zuhause.
    Als Mitglied der „Fachschaftsinitiative Philosophie“ habe ich einen Debattierabend organisieren wollen und wurde bei der Raumreservierung abgewiesen mit dem Hinweis, dass dies nun nicht mehr in Präsenz erlaubt sei – eine Dienstanweisung, die wir von der Fachschaftsinitiative nicht einmal zugeschickt bekommen hatten. Jetzt dürfen also auch Diskussionsabende nicht mehr stattfinden; allerdings sind wir da noch im Rechtsstreit, ob das unter 2G+ nicht doch möglich wäre.

    Soweit mein Einblick in die Erfahrung, wie unglaublich träge und nicht-Empörungsbereit die Studierenden sind. Was glaubt ihr woran das liegt? Was sollten wir tun, um generell wieder Studentische Proteste in den Bereich des Möglichen zu rücken (auch abseits vom Corona-Thema)? War ich einfach zu naiv in der Annahme, dass die meisten Studierenden kein Bock auf online haben, weil tatsächlich die Mehrheit den Twitter-Kurs fährt und pro Lockdown ist – oder schweigt die Mehrheit der Studierenden einfach und wenn ja, warum?

    Ein kurzes anderes Thema noch: HABERMAS
    Lieber Stefan, wenn du weiterhin so kritisch über Habermas redest, wollte ich den altehrwürdigen Philosophen einmal kurz vor deinem scharfen (und gewiss berechtigten Urteil) in Schutz nehmen: Betrachte Habermas weniger als Soziologen und mehr als Philosophen und dann wird deine Kritik automatisch etwas geschwächt: Denn die „ideale Sprechsituation“ und die Geltungsansprüche und all das, was sicherlich realitätsfern ist, mag vielleicht nicht zu einer guten (geschweige denn richtigen) soziologischen Theorie führen, ist aber als philosophische Methode ganz hervorragend um eben eine ganze Moraltheorie und Politik- und Rechtsphilosophische Theorie aufzubauen. Da hat Habermas doch ein paar mehr Credits verdient 😉

    Macht so weiter!
    Ich würde mich freuen, wenn meine E-Mail bei Euch Gehör findet und irgendwie als Input und Feedback hilfreich war.

    Herzliche Grüße
    Lennart

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    1. Jacob

      Hallo Lennart, ich habe ähnliche Erfahrungen an meiner Uni gemacht. Die Hybrid-Seminare sind in Präsenz unglaublich schlecht besucht und viele meiner Kommiliton*innen meinten, dass es für sie einfach bequemer sei, zuhause zu bleiben. Dass sie sich dafür auch nicht in dem gewohnten Maße in Diskussionen einbringen können ist ihnen offensichtlich egal (und das die Debatte im Seminar darunter leidet, wenn nur 3 Hansele da sind, wohl auch). Ich habe das Gefühl, dass es unter Studierenden eine immer größere Mentalität ist, dass das Studieren nur daraus besteht, Dinge auswendig zu lernen. Miteinander zu Diskutieren und sich aktiv in Seminare einzubringen scheint nicht gewollt zu sein.

  6. Raffael

    Der Hinweis auf die Universitäten spricht mir aus der Seele.
    Bin seit 2 Jahren Tutor und erlebe es tagtäglich: Nun war das erste Semester, wo wieder Präsenz erlaubt war. Bei mir in den Veranstaltungen sitzen Studierende im dritten Semester, die noch nie die Uni von innen gesehen haben und bei jeder Präsenzsitzung mit den Worten und dem Mindset „Das ist meine EINZIGE (!) physische Veranstaltung jede Woche, die muss ich genießen!“ reingekommen sind – entsprechend lebhaft waren diese Termine dann auch!

    Seit Januar 2022 wird ihnen nun auch diese erste und alleinige Präsenz genommen, da mein Vorgesetzter (der alle seine Veranstaltungen trotz möglicher Präsenz von vornherein nur digital anbietet) eine Umstellung ins rein Digitale angeordnet hat – obwohl Präsenz unter 2G weiterhin erlaubt ist und wir Ende Dezember eben jenen Studierenden angekündigt hatten, diese/meine Veranstaltung (ggf. unter 2G+) im neuen Jahr weiterzuführen.

    Und dann wundert man sich, wieso die Frustration allerorts zunimmt und die Interaktivität abnimmt. Ich habe meinen Masterabschluss mit Exzellenz-Prädikat jetzt in der Tasche, werde aber genau wegen solcher Handhabung (+ Stichtwort Debatte #ichbinhanna) nicht an der Uni bleiben und promovieren, sondern meine berufliche Zukunft woanders suchen. Es bricht einem das Herz und ist zum Verzweifeln.

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  7. Jacob

    Zu den NFTs: Der CEO von CCP (die Entwickeln das MMO Eve Online) sagt, dass Online-Gaming-Content einen Nutzen in der Realität haben sollte und erspielte Ingame-Währungen für Renten-Pläne genutzt werden können sollten.
    “Gamers hope that the values created from online games can also be used in reality. The online gaming content should have practical values in the real world. The gaming industry should evolve to allow gamers to make retirement plans by using the money they earn from games.”
    https://massivelyop.com/2021/12/23/ccp-games-ceo-voices-support-for-nfts-and-play-to-earn-schemes-but-wont-link-eve-online-to-a-blockchain/

    Die meisten Spieler haben zum Glück noch keinen Bock auf NFTs, das wird sich aber mit Sicherheit noch ändern. Hier noch ein Artikel zu einem Zitat eines Managers von Ubisoft, in dem er im Prinzip sagt, dass die Spieler es einfach noch nicht verstanden haben:
    https://t3n.de/news/ubisoft-gamer-nft-digits-quartz-1447254/

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