Salon

Wir lesen01/2022Peter Thiel, Freie Theater, Chinas Netz, Paolos Verse, iPhone Aktien

Vor Peter Thiel haben sogar seine Freunde Angst, sagen seine Freunde. Und Max Chafkin berichtet es uns. Die Technologie als Mittel zum Zweck, wie schon die Bücher zuvor. Peter Thiel war auf der Suche nach der Macht, wo alle nur nach Geld streben: In New York an der Wall Street und im Silicon Valley. Die Wege waren irre verschlungen, aber letztlich hat er sie gefunden. Palantier ist ein obskures Unternehmen, von nem niemand so genau weiß, was es im Angebot hat. Klassische Consumer Electronic ist es nicht, aber wir als Bürger spielen für Palantier eine große Rolle. Während Matrix im Kino läuft, und ein wenig enttäuscht, liefert dieses Buch alles, was ein Thriller braucht – insbesondere Realität. Wir sind beide begeistert, besprechen es ausführlich, empfehlen aber diesmal ausdrücklich, auch selbst zu lesen.

Desweiteren reisen wir durch die Welt mit Abstechern im digital regierten China, das seine Autokratie nun global ausspielt. Wir sind in den Regionen zwischen Indien und Pakistan, im alten Japan, beim abgeschotteten Dänemark und im zukünftigen Metaverse, wo Great Protocol Politics gemacht wird. Pier Paolo Pasolinis Gedichte sind da, sie waren auch nur für die Nachwelt bestimmt. Und wir rechnen nach: Was lohnt sich mehr, Apple Aktien oder iPhones, Investment oder Konsum?

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Literatur

  1. Wer regiert das Silicon Valley? Wessen Weltanschauung ist dominant? Es sind weder die Chefs von Google, Apple oder Facebook, die die Welt ideologisch am stärksten prägen, es ist der Risikoinvestor und Paypal-Gründer Peter Thiel. Er unterstützte Trump im Wahlkampf und hält die Demokratie und den Kapitalismus für nicht mit länger vereinbar. Max Chafkin beleuchtet in seiner sensationellen Biographie „Peter Thiel – Facebook, PayPal, Palantir. Wie der Pate des Silicon Valley die Welt beherrscht“ die Person und ihr Wirken.
  2. Die Freie Szene war früher ein Ort für formale Experimente, heute stehen nur noch die üblichen politischen Inhalte im Vordergrund, beklagt Michael Wolf in seiner Nachtkritik-Kolumne „Der Freien Szene fehlt es an Format
  3. Paul Mozur und KollegInnen schreiben in der NYT über China. Das Land wirft sein social-Media-Fangnetz inzwischen weltweit aus und jagd abtrünnige ChinesInnen. Um aber alles in gutem Licht erscheinen zulassen, umgarnen sie in Peking die Influencer.
  4. Für Parag Khanna und Balaji S. Srinivasan werden mit dem Metaverse Utopien wahr: Die Macht des Dollars schwinde, Territorialität spiele in der Cloud keine Rolle mehr und selbst ein BGE sei leicht realisierbar. „Great Protocol Politics“ ist ein obskurer, aber wichtiger Essay
  5. In Japan hat die Politik aufgegeben. Roboter fallen für die Pflege der Alten aus, Ausländer gibts auch zu wenig. So müssen die Alten selbst klarkommen und möglichst lange fit bleiben. Alina Saha zeigt mit einem kleinen Text ein großes Problem.
  6. Pier Paolo Pasolini war nicht nur ein bedeutender Filmregisseur, sondern auch ein großer Dichter. Bei Suhrkamp sind nun unter dem Titel „Nach meinem Tod zu veröffentlichen“ späte Gedichte erschienen
  7. Leo Ginsburg bringt uns mit einem kleinen Text zum Grübeln: Hätte man damals doch lieber Apple Aktien statt Apple Smartphone kaufen sollen?
  8. Arundhati Roy ist eine weltweit populäre indische Schriftstellerin, die sich in ihren Essays immer wieder mit dem in Indien blühenden Hindu-Nationalismus kritisch auseinandersetzt. Der Band „Azadi heißt Freiheit“ bietet eine Sammlung von Roys Interventionen
  9. Dänemark will sich noch stärker gegen Flüchtlinge abschotten und zahlt für ein Abschiebegefängnis im Kosovo einen absurden Preis. Darüber berichtet in der „taz“ Reinhard Wolff
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Mathias

5 Gedanken zu „Peter Thiel, Freie Theater, Chinas Netz, Paolos Verse, iPhone Aktien

  1. Max W.

    Balaji S. Srinivasan ist mir bereits von Twitter und diesem Podcast (https://www.youtube.com/watch?v=PpcLs-fPMqU) bekannt. Hier habe ich das erste Mal gesehen, wie anti-demokratisch (Crypto-)Libertäre sind. Er legt viel Fokus auf Migration als legitimer Ausdruck der persönlichen Poitik: Anstatt an einer demokratischen Wahl teilzunehmen, um das Land in die Richtung zu bewegen, die man selbst möchte, sollte man dort hinziehen, wo die eigenen Werte politisch bereits stärker vertreten sind. Er nennt hier im Podcast dann z.B. LBGTQ-Rechte als Argument umzuziehen, aber dann auch, dass man z.B. wegen „besserer“ Crypto-Regulierung umziehen könnte. Und da liegt für mich das zentrale Problem (bzw. wahrscheinlich eher das Ziel): Nur reiche Leute können es sich leisten, überhaupt umzuziehen. Reiche ziehen dann in Städte mit geringen Steuern und wenig Regulierungen, sodass diese Städte noch reicher werden, während der Rest des Landes verarmt. Dasselbe kann man auch eine Ebene höher, zwischen Ländern, machen. Dann haben wir „race to the bottom“ zwischen Ländern und Städten, um möglichst die letzten Reichen Menschen anzulocken, gar keinen Sozialstaat mehr und stattdessen dann Geld, um an Raumfahrt-Tourismus, ewigem Leben und anderen Eliten-Projekten zu arbeiten. Die notwendigen Servicekräfte werden mit 10qm-Zimmern + Metaverse-VR-Brille ausgestattet.
    Was mich am meisten stört ist die dünne Schicht an „Progressivität“, meist eher im Sinne von „Technologischer Fortschritt ist für alle gut“ gemeint, die dann mitschwingt. Die reicht bei vielen scheinbar, um die grausamen Konsequenzen libertärer Politik komplett auszublenden. Macht es leider auch schwieriger, politisch dagegen zu argumentieren, als wenn jemand einfach sagen würde: „Ich bin libertär weil ich mehr Ungleichheit will, da ich bereits auf der richtigen Seite der Ungleichheit stehe. Ich möchte, dass mein Geld nicht versteuert und für einen Sozialstaat ausgegeben wird, sondern stattdessen durch Investitionen und private Spenden genau die Dinge fördern, die ausschließlich mir helfen (Lebensverlängerung, Raumfahrt-Tourismus etc.)“.

    Vielen Dank für diesen Podcast, habe Die Neuen Zwanziger nun vollständig nachgearbeitet und bin ich dabei, den Salon ebenfalls vollständig nachzuholen. Absoluter Lieblingspodcast!

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  2. Träumer

    Wie peinlich! Da schaue ich schon recht lange Filmanalyse und habe mir niemals gedanken darüber gemacht, dass Wolfgang eigentlich fast nie die Schauspieler erwähnt.
    Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht ist aus dem Kopf heraus die einzige Ausnahme.
    Hier hat Wolfgang nicht nur das Schauspielensemble gelobt, sondern explizit auch den Hauptdarsteller Jan Dieter Schneider. Vielen Dank an Wolfgang, das ich durch Filmanalyse diese Filmperle entdeckt habe und
    vielen Dank für den Ausschweifer mit wow Effekt von Stefan!

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  3. Desmond

    Könntet ihr vielleicht bitte die Gästeliste immer mal in den Folgen bewerben?
    Habe das Gefühl, viele Salonstürmer lassen ihre Gastmitgliedschaften „verfallen“, obwohl noch einige sich darüber freuen würden. Wäre schön, wenn so doch einige noch in den Genuss des Salons dadurch kommen könnten.

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