Salon

09/2022Autokr. Strongmen, Werner Herzog, Maternal Instinct, Universalismus, Prepper-Milliardäre, Barfuß gehen

Ein Buch über die Autokraten der Welt, sortiert nach Bevölkerungsgröße, regionaler Lage und politischer Situation. Gideon Rachmann hat ein interessantes Buch über alle geschrieben. Doch der umfangreichen Materialsammlung fehlt es an heuristischem Potential. Putin, der Archetyp der modernen Autokratie, ist gut behandelt. Die Realität steuert derzeit die Bedeutung des Buchs bei. Wir finden einiges Interessantes. Anschließend lernen wir Werner Herzog nochmal neu kennen, als Autobiograph, der doch gar nicht so gern über sich selbst schreibt, es aber doch wieder auf fulminante Weise schafft, ein gewähltes Thema so zu verarbeiten. Wir lernen: Er schaut selbst gar nicht so viele Filme, nämlich nur drei oder vier im Jahr. Von den schlechten hat er immer gelernt. Wenn er seine Stimme den Simpsons leiht oder im Star-Wars-Universum auftaucht, muss man ihm vorher Materialproben schicken, damit er weiß, worum es geht.

Dann: Mythos Mutterschaft. Chelsea Conaboy schreibt über den Mythos der instiktiven Mutterschaft, eine politische Erfindung, die Frauen zähmte und Männern die Spielwiese überlies. Die Ideengeschichte wurde Jahrhunderte entworfen. Nun kratzen die neuen Medien an der Oberfläche und ermöglichen, nochmal anders über Mutterschaft zu reden, weil man anderes zeigen kann. Damit rücken auch ins Bild: Die Väter und die Politik. Wir fragen uns damit, wer wir eigentlich sind, sein können und sein wollen. Omri Boehm liefert die politische Beobachtung dazu. Wolfgang ist begeistert von seinem Buch über Identitätspolitik, obwohl der Pfad schon so abgeschritten galt. Das ist wohl das Buch, auf das wir noch gewartet haben.

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Literatur

  1. Putin, Trump, Bolsonaro, Orbán und viele weitere autoritäre Politiker porträtiert der Journalist Gideon Rachman in seinem Buch “Welt der Autokraten”. Die These des Autors: Die strongman-Politik beherrscht immer mehr den Globus und bereits die Mehrheit der Weltbevölkerung
  2. Der große Regisseur Werner Herzog hat seine Memoiren veröffentlicht. Der Titel: “Jeder für sich und Gott gegen alle”. Wer jedoch Klatsch und Tratsch aus Hollywood erwartet, liegt falsch, stattdessen erzählt Herzog eindrucksvoll von Grenzerfahrungen und seinem sehr eigenen Blick auf die Dinge
  3. Auch als Buch vorliegend, klärt Chelsea Conaboy in der NYT über den Mythos Mutterschaft auf. Er ist wohl eine politische Falle, aufgestellt von Männern
  4. Idenitätspolitik von links wie von rechts ist ein leidiges Thema, zu dem alles gesagt schien. Nein, dem Philosophen Omri Boehm gelingt nun mit “Radikaler Universalismus” der ganz große Wurf
  5. Douglas Rushkoff ließ sich von Milliardären einladen, die ihren Mindset auf The Event vorbereiten wollen. Ein illustrer Bericht im Guardian
  6. Macron bekämpfte Corona mit harter Hand, doch nun erklärt er die Pandemie für beendet. Annika Joeres blickt für “Die Zeit” ins Nachbarland
  7. Eine groß angelegte Studie zum Barfusslaufen wird bei Vice kurz zusammengefasst
  8. Duisburg ist das Ende der sogenannten Neuen Seidenstraße, doch der Weg führt auch durch Russland, weshalb man am Rhein umdenken muss. Sarah Sommer schildert in “Brandeins” die Transformation
  9. Goethes Gespräche mit Johann Peter Eckermann liegen in neuer englischer Übersetzung vor. Der Economist er erfreut über so viel Qualiätsexport aus der deutschen Kultur
  10. Ökonomin Dalia Martin erklärt in der “FAZ”, dass wir alle ärmer werden, denn die geopolitischen Risiken bringen eine neue Art des Wirtschaftens hervor.
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Wolfgang
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Mathias

4 Gedanken zu „Autokr. Strongmen, Werner Herzog, Maternal Instinct, Universalismus, Prepper-Milliardäre, Barfuß gehen

  1. Lennard

    Hi, ich habe eine kurze Anmerkung zum Thema „Faust“ in der Schule lesen. Meine Schulzeit ist erst zwei Jahre her und auch ich habe damals das verpflichtende Lesen von Büchern wie Faust und ähnlichen Klassikern aus genau einem Grund für sinnlos befunden. Es ist in Zeiten des Internets schlicht nicht mehr möglich, Schüler dazu zu zwingen, diese Bücher zu lesen, da es im Internet genügend Zusammenfassungen und Interpretationen gibt, die es jedem ermöglichen, eine gute Klausur zum „Faust“ zu schreiben, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben. Ich habe aus Interesse und weil ich meine Lehrer in der Oberstufe sehr mochte, jedes Buch gelesen, dass wir verpflichtend lesen sollten und sicherlich einiges mitgenommen, aber die überwiegende Mehrheit meiner Klasse und Stufe haben nicht eine einzige Seite gelesen. Ich würde schätzen, dass höchstens eine weitere Person in meiner Klasse von 25 Schülern Faust komplett gelesen hat, drei bis vier weitere vielleicht einige Kapitel, die als besonders klausurrelevant benannt wurden. Mag sein, dass meine Schule eine Ausnahme ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auch nur ein Bruchteil der zukünftigen Oberstufenschüler, deren Gehirne jetzt schon von TikTok geschädigt sind, gegen den einfachen Weg der Zusammenfassungen und auf Lehrerwunsch abgefassten, im Internet erhältlichen Interpretationen entscheidet. Auch modernere Bücher wurden nur noch von einigen meiner Mitschüler gelesen, allerdings deutlich häufiger als die Klassiker, da sie sprachlich viel zugänglicher waren. Das ist alles sicherlich furchtbar schade und ich halte das gemeinsame erörtern von Gedichten oder Textauszügen in der Klasse weiterhin für sinnvoll, doch die Verpflichtung bestimmte Klassiker zu lesen ist schlicht nicht mehr durchzusetzen. Daher finde ich es sinnvoller, modernere Bücher in den Lehrkanon aufzunehmen, die aufgrund der sprachlichen Nähe eine sehr viel höhere Chance haben, gelesen zu werden.

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  2. sintom

    Hi guys,
    is ja alles gut und schoen mit dem Universalismus, nur widespricht Abraham in meiner Bibel nicht eben nicht …
    Cheers,
    Thomas

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    1. Tim

      Eigentlich wirft Wolfgang 2 biblische Geschichten durcheinander: Abraham soll seinen Sohn Isaak opfern und widerspricht eben gerade NICHT. Im letzten Moment greift Gott durch einen Engel ein und verhindert die Tötung. Kurz vorher aber protestiert Abraham gegen die von Gott geplante Zerstörung von Sodom und Gomorrha, die Stadt des Bösen: „Willst du wirklich eine Stadt zerstören, wenn sich darin 50 Gerechte befinden? Das sei fern von dir, dass du den Gerechten mit dem Frevler vernichtest.“ So lange, bis Abraham Gott auf 5 Gerechte runtergehandelt hat und Gott die Argumente ausgehen.

      Das ist tatsächlich nämlich ein „Witz“ dieser Texte: Der große Glaubensvater Abraham protestiert für evtl. Gerechte in der Stadt des Bösen, versagt aber als Vater und traut sich nicht, seinen eigenen Sohn zu beschützen.

  3. Magrat

    Ich frage mich, wann endlich Väter schreiben, was ihnen durch dies Mythen vorenthalten wurden – ich meine ausdrücklich KEINE Beziehungskriege oder neurechte Polemik…. Diese Erzählung betrifft doch alle! Und müsste doch jenseits von Feminsmus geführt werden – wollen wir diese Erzählung eigentlich noch mal 2000 Jahre wiedererzählen? ALSO icke würde mir das Absprechen von oder die Aufwertung derselben an ideologischenr Aufladung von Geschlecht & Glauben nicht gefallen lassen – wo sind die Artikel, Bücher und Podcasts von Vätern, die dieses Konstrukt in Frage stellen? (Es ist einfach ein Muddithema… So frustrierend)

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