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11/2023Staatsschuldenurteil, Ukrainekrieg, Kapitalismus & Schicksal, Cher, Gewerkschaftshelden, Rudel-Körper

60 Milliarden, 200 Milliarden, 260 Milliarden. Was kostet die Welt? Diese Frage stellen wir uns gerade neu und die Antworten sind allesamt erschreckend. Entweder killen wir Teile des Grundgesetz, oder wir killen die Alten, oder die Jüngeren, oder die Klimapolitik. Oder wir schreiben einfach eine Extrazeile Text dazu. Welche der Wege wir gehen, wird derzeit noch diskutiert, warum auch immer. Wir reden heute ausführlich über das „Schuldenurteil“ des Bundesverfassungsgerichts. Es provozierte einen anhaltenden Moment of Surrender. Jetzt müssen alle mal Farbe bekennen und die neuen Allianzen zeichnen sich schon ab. Wir bleiben dem Thema treu, wenn wir über die Verwirrungen ökonomischer Diskurse reden. Markus Gabriel versucht sich den Kapitalismus zu deuten, wir staunen. Die ökonomischen Debatten vor Ort verlaufen anders. Wir folgen mit dem Deutschlandfunk Gewerkschaftsarbeitern, kleine Errungenschaften, große Hürden. Der November ist ein Monat der Zäsuren. Über den Coup bei OpenAI reden wir dann auf der Bühne.

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Stefan
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Wolfgang
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Mathias

10 Gedanken zu „Staatsschuldenurteil, Ukrainekrieg, Kapitalismus & Schicksal, Cher, Gewerkschaftshelden, Rudel-Körper

  1. Miriam

    Im Salon-Ausblick sagt Stefan es genau richtig. Extremely Online liefert (nahe) null Analyse. Ich habe es wegen euren Teasers schnell gelesen und war unglaublich enttäuscht. Die Geschichte von Social Media war mir im Groben doch schon bekannt und die Details, die sie zusätzlich liefert (Namen von jedem Hinz und Kunz, der mal einen Instagram Account hatte), sind für mich auch vollkommen wertlos.

    Ich habe seit dem Lesen selbst zwei bis drei kleine Einsichten geformt, aber freue mich sehr es von euch noch einmal eingeordnet zu bekommen.

    Wen’s interessiert kann auf meinem Blog noch mein vollständiges Review zum Buch lesen: https://blog.optional.page/optionalbooks/extremely-online-taylor-lorenz

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  2. Jacob Ahrendt

    Hallo, hattet ihr früher nicht mal eine Ecke hier auf der Website, wo wir eure verwendete Berichterstattung finden und es extern nochmal nach hören konnten?
    Das wäre ganz toll, wenn ihr das wieder einfügt. Ich suche die Beiträge, die Wolfgang abgespült hat im KapitalismusKapitel. Insbesondere vom Arbeitskampf und vom Mietenkampf.
    Daaaanke!

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  3. Pfand

    Hallo,

    sehr gute Folge (wie immer).

    Ein paar persönliche Details, die die KfW-Thematik vielleicht etwas plastischer machen:

    Ich entschied mich 2016 zu einem KfW-Studienkredit. Ich überbrückte damit ein zusätzliches Studienjahr, in dem ich keinen Anspruch auf Bafög hatte. Der standardmäßig variable Zinssatz orientierte sich (und orientiert sich meines Wissens noch immer) am EURIBOR-Satz. Hinzu kam ein Aufschlag von 4,15 % durch die KfW-Bank. Aufgrund eines leicht negativen EURIBOR-Satzes betrug mein erster Zinssatz im Jahr 2016 4.02 % (Sollzinssatz). In den kommenden Jahren wurde der Zinssatz halbjährlich mit neuen EURIBOR-Zinssätzen angepasst. Im April 2022 konnte ich einen günstigen Zeitpunkt erwischen, in welchem ich mir einen Festzins von 4,95% (Sollzins) für 10 Jahre sicherte. Ich pokerte also und wettete mit meinem Kredit auf einen steigenden Zinssatz…
    Market-Timing auf Basis meiner Studienfinanzierung sozusagen.
    Rückblickend war der Kredit mit Sicherheit eine finanzielle Fehlentscheidung. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten ein Studium zu finanzieren: Zum Beispiel längerer Bafög-Anspruch durch Engagement in Fachschaften von denen man durch Zufall erfährt, oder der gute alte Nebenjob für den man sich neben dem Vollzeitstudium Zeit nimmt. Leider war ich in dieser Phase einfach froh über eine Möglichkeit mein Studium erfolgreich abschließen zu können und wandte nicht das finanzielle Interesse, geschweige denn die finanzielle Bildung auf, diese Thematik in ihrer Gänze zu durchblicken…

    Viele Grüße und weiterhin alles Gute für den Podcast.

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    1. Niklas

      Ich hänge mich mal mit meiner Erfahrung an, bei der konkrete Zinssätze bis jetzt zu Tilgungsbeginn keine Rolle spielten:
      2016 zum Studienstart einen KFW-Studienkredit genommen. Ich bin Arbeiterkind und wir hatten keine Bekannten, die mich und meine Mutter auf irgendetwas in Richtung Studium vorbereiten konnten. Ich wusste, dass ich Bafög-Höchstsatz bekommen, wir wollten uns aber mit dem Kredit absichern, damit ich nicht am Existenzminimum nagen muss, wenn etwas dazwischen kommt. Meine Mutter hat mir den Kredit immer als sehr gut verkauft, da niedrige Zinsen (stimmte ja auch). Arbeiten während des Studiums war für mich keine Möglichkeit. Ich wollte mich auf das Studium konzentrieren und konnte mir diese Zusatzbelastung nicht vorstellen (stehe auch heute noch zu der Entscheidung es nie getan zu haben; durch meine Genügsamkeit hat es mich auch nie groß gestört). Im ersten Semester dann erstmal für alle Fälle Höchstmenge kassiert (650€), danach auf das Minimum herunter (200€) und pratkisch immer auf das Sparkonto überwiesen. Jetzt dann die Zeit mit den hohen Zinsen. Ich hatte immer alles vom Kredit gespart, weil ich es dann einfach im Ganzen zurückzahlen wollte. Geht aber nicht, dafür werden auch ZInsen fällig. Wir hatten immer gedacht, dass das beim Studienkredit eben nicht so sein würde (und ich weiß nicht, ob das je stimmte). Jetzt stehe ich hier mit 20.000€ Schulden und (Stand jetzt) genau so viel Zinszahlungen. Ich bleche momentan 144€ Zinsen und 105€ Tilgung pro Monat und kann es mir glücklicherweise leisten. Wir sind an der Lage sicherlich auch teilweise selbst schuld, wussten es aber nicht besser. Dass ich für diesen Fehler aber so hart rangenommen werde…

  4. Rico

    Woher habt ihr die Information, dass die LEAG in der Lausitz ein deutsche Staatsunternehmen sei?
    Soweit ich weiß, ist der Besitzer die EPH aus Tschechien.

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  5. M

    Hallo ihr Beiden,

    tolle Arbeit, wie immer! Zur Erklärung der Festsetzung der KfW-Zinsen: Man kann den Zinssatz durchaus festsetzen, allerdings nimmt man sich damit jegliche Möglichkeit zu Sondertilgungen. Ich selbst habe mich daher GEGEN eine Festsetzung entschieden, weil ich bei einem vergleichsweise geringen Darlehen davon ausging, in gut laufenden Monaten immer mal wieder größere Summen als Sondertilgiung tätigen zu können, um mich früher von der Kreditlast zu befreien. Das ist steuerstrategisch betrachtet vielleicht nicht die schlauste Methode, aber psychohygienisch schon. Wer will denn Ende 30 monatlich sein Studium abzahlen. Diese Entscheidung habe ich zu krisenfreien Zeiten gefällt, als sich abzeichnete dass ich das Darlehen innerhalb von zwei Jahren abarbeiten können würde. Jetzt sieht die Lage natürlich ganz anders aus – die Zinsen erdrücken mich zwar nicht, aber die Tilgungsphase hat sich jetzt schon um drei Jahre verlängert. Und es ist nur machbar, weil es eben ein geringer Betrag gegen Ende des Masterstudiums war. Dies nur als Erklärung weshalb es bei manchen keinen festgesetzten Zinssatz gibt.

    Mindestens genauso interessant wie Deckelung der Zinsen wäre meiner Meinung nach die Möglichkeit den Kredit von den Steuern abzusetzen. Man kann lediglich die Zinsen absetzen. Warum nicht den monatlichen Tilgungsbetrag? Das wäre doch ein klares Zeichen, dass es zwar anstrengend und finanziell aufwändig ist zu studieren, man aber eine faire Chance hat, sich wirtschaftlich damit nicht zu ruinieren.

    Soweit mal… euch vielen Dank!!
    M

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  6. CIRebus

    Hi,
    sehr gute Folge wieder.
    Ich moechte zum Thema neoliberale Ueberzeugungen (Der Schuldenbremse im weiteren SInne), Fragen der Ehre und eure Ueberlegungen ob es nun ideologische Ueberzeugungen sind oder andere Themen die so massiv den aktuellen (politischen) Diskurs praegen nachdruecklich die Lektuere von dem Wirtschaftshistoriker Philip Mirowski empfehlen! Buecher wie z.b. „“The Road from Mont Pelerin“, vor allem aber „Untote leben laenger“ unterstreichen Wolfgangs These der ideologischen Ueberzeugung Lindners, zb im Falle der vorgeblichen Wichtigkeit einer Schuldenbremse. Aber auch die Unterstuetzung in der eigenen und der fehlende Widerstand aus anderen Parteien und weiten Teilen der medialen Oeffentlichkeit erklaert sich aus der jahrelangen neoliberalen Wissensverteilung aus der Vielzahl der Denkfabriken heraus.
    Weiterhin wird durch Mirowski zu Teilen auch die Passivitaet der Bevoelkerung erklaert, die bewusst oder unbewusst den gleichen Prinzipien und Ueberzeugungen anhaengt (Siehe zb das nach unten Treten gegen Buergerld-Empfaenger: „sie stehen ganz unten, sie muessen es verdient haben“).
    Zu guter Letzt beleuchtet Mirowski auch die Rolle des Staates im Zeitalter des Neoliberalismus anders als viele andere Beobachter dieser Stroemung und spricht von einer Restrukturierung und nicht der Zerstoerung um die „perfekte“ Marktgesellschaft zu ermoeglichen. Auch in dieser Argumentation lassen sich neue Blickpunkte auf aktuelle Krisen und ihre Entstehung finden.
    Teilweise ist die Lektuere frei im Netz zu finden, ein paar von Mirowskis Vorlesungen lassen sich (in leider schlechter Qualitaet) auf Youtube finden.
    Vielen Dank euch
    F

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